Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 11. Mai 1911

Film 11463, Vol. 5, No. 42, Page 2

Krassna, Bessarabien März 27. 1911

Es ist wohl an der Zeit, dass auch ich wieder ein Lebenszeichen von mir gebe.

Aus unserem Dorfe fuhren neulich fünf Mann per Achse vierzig Werst weit auf einen Bazaar, um Wagen zu verkaufen. Leider aber hatten sie schlechtes Wetter, denn es schneite und regnete und so ereignete es sich, dass die guten Leute die meiste Zeit in der Wirthsstube verbrachten und dort manches Gläschen Branntwein hinter die Binde gossen. Dabei trank einer der Herren, nämlich Thomas, zu viel und gerieth auf dem Nachhausewege mit Joseph, der wohl sein Grossvater sein konnte, in Streit. Dass Thomas einen gehörigen Rausch hatte, geht schon daraus hervor, dass er am folgenden Tage von dem Vorstalle gar nichts wusste.

Die Witterung war bei uns ganz, ganz gut, aber die Winterfrucht steht stellenweise so schlecht, dass sie umgeackert werden muss. Nun aber haben wir täglich Regen, sodas sich die Frühjahrsarbeiten auf dem Felde sehr verzögern durften.
(Bezüglich der Sprungfederschere wollen wir bemerken dass, wenn Sie dieselbe noch nicht erhielten, diese vielleicht Herrn Magnus Miller in Canada selbst zugesandt wurde. Red.)

Gruss an die Redaktion, an meine Schwager Magnus und Eugenius Miller in Canada, und an den ganzen Leserkreis.

Daniel Lauterbach