Der Staats-Anzeiger, 15 April 1927 · 📰

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Agua Limpa, Brazil
10 Januar 1927

Die Neujahrswünsche für alle Freunde und den Leserkreis des Blattes, einschließlich der Redaktion, werden ja spät kommen, sind aber deshalb nicht weniger herzlich. Wünsche allen in diesem Jahre eine reichliche Ernte, und Herrn Redakteur Brandt wünsche ich einige Tausen neue Leser für den Staats-Anzeiger. Vielmals Dank ihm auch für den prachtvollen Kalender auf 1927, der gerade auf Neujahrstag mir zuhänden kam.

Liebe Leser: Jeder von uns, der gesund ist, hat doch zwei Augen, zwei Ohren, zwei Arme und zwei Beine, die wir auch notwendig gebrauchen. Wir haben schon so manches gehört und gesehen und auch ertragen müssen. So geht es mir heute, und wo mit soll ich den ersten Bericht im neuen Jahr beginnen? Die Wahrheit wollen wenige oder niemand hören, und lügen darf und soll man nicht. Jedes Wort möchte man genau abwiegen, und doch kann man es nicht allen recht machen : also will ich diesmal etwas berichten; was die Leser wohl mehr interessiert als Streitigkeiten über die Verhältnisse hier und anderswo.

Auf die Weihnachtsfeiertage machten ich und Frau und Dorothea Schäfer, geb. Kupfer, Frau des Anton Schäfer, einen Spaziergang nach der drei Kilometer westlich von hier liegendes Fazenda Notal, wo wir unseren Vetter Anton und Base Elisabetha Föth besuchten, sowie auch unsere Heimatsleute Emanuel und Juliana Dutenhöfer, Anton und Barbara Schäll und ihren alten Vater Sebastian Schäll, liebevoll wurden wir freundlich aufgenommen und gut bewirtet, es gab treffliche Unterhaltung und überall freundliche Gesichter. Manch schönes Weihnachtslied und auch Volkslieder wurden gesungen.

Anton, Barbara, und auch Vater Schäll beklagten sich aber, weil sie auf keine Art zu den Adressen ihrer Angehörigen in Nordamerika kommen konnten und nun als letztes Mittel es durch den Staats-Anzeiger, der ja weit und breit gelesen wird, versuchen möchten. Sebastian Schäll sucht seine drei Brüder, Kaspar, Joseph und Georg. Kaspar soll in Canada und Joseph und Georg sollen in Minnesota wohnen. Anton und Barbara Schäll suchen Vetter Daniel Lacher und Nikolaus Schäfer und Geschwisterkinder ​​Anton und Elisabetha Hintz geb. Schäfer, die in North-Dakota wohnen sollen. Alle Briefe an sie mit die alten Adressen blieben unbeantwortet. (Redaktion: Daniel Lacher ist in Aberdeen, South Dakota und die anderen werden sich wohl auch melden.)

Anton Schäll hätte doch auch gar zu gerne den Staats-Anzeiger und bittet, einer der vielen Freunde möge ihm den bei Herrn Redakteur Brandt bestellen, dem auch die Adresse bekannt ist. Auch Joseph Völler in Spokane, Washington, lassen sie vielmals grüßen und bitten er möge sich wieder einmal im Blatte hören lassen

Auf den Neujahrstag besuchten dann uns die Freunde, und nur der alte Vetter Sebastian blieb zuhause. Wir konnten aber leider unsere Gäste nur schwach empfangen, da wir eben gerade auf der neuen Fazenda angekommen waren. Zusammen machten wir dann einen Spaziergang vier Kilometer nach Osten zu nach der Sitso Mundobello [Montebello], ein uns allen unbekannter Fußweg. Die Frauen waren müde geworden und wollten schon den Rückweg antreten, denn in den Kaffeestauden und Welschkorn (Mais), das hier stellenweise über 4 Meter hoch wird, kann man sich leicht verirren, aber schließlich um 01.00 Uhr nachmittags,kamen wir doch dorthin und machten zuerst bei Schwager Denisius und Barbara Nagel Halt.

Dies war unser erstes Wiedersehen seit unserem Abschied aus der alten Heimat und Freudentränen flossen. Dort sind außer meinem Schwager, sein Schwager Anselmus Wagner, Anselmus Riehl, Paulus Bauer, Jakob Dutenhöfer, Joseph Bender, und Joseph Kupfer, die wir alle der Reihe nach besuchten. Es war überall ein frohes Wiedersehen, und manch heimatliches Lied wurde gesungen. Nur schade, dass die Zeit zu kurz war, denn sowohl ich wie Heinrich Ternes mussten noch abends den Heimweg antreten, da wir am 2. Januar Geschäfte auf unserer Fazenda zu erledigen hatten.

Der Rückweg nahm aber nur eine Stunde in Anspruch. Hier wurde ich aber auch mit Aufträgen überhäuft, denn die Leute möchten doch mit ihren Freunden so gerne in Briefwechsel treten, und der Staats-Anzeigers ist dabei die einzige Rettung.

Mein Schwager Dinisius Nagel von Jakob möchte hören von Vetter Elias Nagel, Vetter Peter Groß und dessen Sohn Romuald Groß zu hören. Auch wäre es ihm sehr lieb, wenn jemand ihm den Staats-Anzeiger zuschicken würde, der hier ganz pünktlich ankommt. Glaube die Gesuchten sind wohl alle Leser des Blattes. .

Joseph und Legatha Kupfer lassen Schwager und Schwester Daniel und Rosa Hüttel und Geschwisterkinder ​​Joseph und Mathias Miller, alle in Canada,. grüßen. Sie hatten die Adressen und schrieben auf diesen, blieben aber ohne Antwort. also sind die alten Adressen wohl nicht mehr die richtigen. Die Adressen der Leute hier sind alle im Staats-Anzeiger. Schwager Kupfer bittet seine Freunde auch um Zusendung dieses Blattes.

Anton von Aloysius Schäfer hätte gerne ein Lebenszeichen von seinem Taufpaten Anton Schäfer von Johannes, weiß aber nicht, ob er noch lebt oder nicht. Anton sagt mir wörtlich „Wenn er noch lebt, sei er herzlich gegrüßt und ihm zur Nachricht, dass ich nebst Mutter und Bruder Wendelin und Schwester Martha schon seit 10. Januar 1926 die alte Heimat verlassen habe. Unsere Mutter Angela Schäfer geborene Dutenhöfer, hat aber im November schon die Heimreise angetreten und wird hoffentlich schon wieder in der alten Heimat sein. Es wäre mir auch sehr lieb, wenn der Taufpate, falls noch unter den Lebenden, mir bei Redakteur Brandt doch den Staats-Anzeiger bestellen.würde “

Grüßen auch unsere Geschei (Schwägerin), Franziska Ziegler, und meine Frau Dorothea geborene Kupfer, möchte wissen, ob das Kind des verstorbenen Bruders Jos. Kupfer noch am Leben ist. Sollte sie nicht ein Leserin sein, können vielleicht die Leser in Canada Auskunft geben.

(* Redakteur: Dem Herrn Einsender zu wissen, dass dies der 16. Bericht ist und dass wir noch sechs auf Lager haben. Es dürften wohl keine verloren gehen. können, oder nur sehr wenige, aber wir haben so viele aus dem Ausland, das wir nicht nachkommen können. Besonders. weil viele auch zu lang sind - selbst nachdem wir sie verkürzt haben!)

Zum Schluss ist noch bemerkt, dass sich in meinem Bericht in Nr 27 des Blattes ein Fehler einschlich. Es sollte heißen, dass wir Neueingewanderten schon das Recht haben, Gewehre oder Revolver zu halten; aber die Meisten nicht die Mittel haben, solche zu kaufen.

Freundlicher Gruß allerseits,
Joseph Föth

Notiz von Otto Riehl:

Weihnachten 1926: Aqua Limpa plus 3 km westlich - Personen:

Neujahrstag 1927: Aqua Limpa plus 4 km östlich - Personen:

Alles Personen sind aus Rumänien - Bessarabien / Dobrudscha