Bismarck, Nord Dakota
vom 13.06.1928
Aus der alten Heimat
Kraßna, Bessarabien
den 11.Mai 1928
Geehrter Herr Redakteur Wanner.
Grüße Sie höflichst nebst Eueren Gehilfen und allen Lesern des Blattes. Teile Ihnen mit, daß bei uns noch alles beim alten ist und warte noch immer auf die nächsten Nummern. Herr Ternes erlaubte mir, eine jede Nummer zu lesen. Natürlich, es gibt ja nicht immer Zeit. Teile auch mit, daß es gestern schön geregnet hat. Es steht alles in voller Pracht. Nur der Winterweizen ist alle, meistens herumgeackert worden. Also, Weizen können die Bauern im Voraus nicht verkaufen, sondern ein mancher muß kaufen. Teile Ihnen noch mit, daß ich mein Haus fertig stehen habe. Nur inwendig ist es noch nicht fertig. Aber, ich glaube, bis August hineinwandern zu können. Also brauche ich nicht mehr pachten. Geld muß auch wandern, und ist keins bei mir. Danke aber meinem Stiefvater Adam Erker und meinem Schwager Melchior Erker, an dritter Stelle kommt mein Schwiegervater Joseph Wagner alt. Und an vierter Stelle mein Schwager Dionisius Hermann und noch andere Freunde. Danke den Mithelfern alle herzlichst.
Geehrter Redakteur, nun bitte ich Sie um die Aufnahme der folgenden Zeilen der armen Witfrau.
Möchte Ihnen noch schreiben, was sich bei uns in Bessarabien und Nordbukowina ereignet hat. Ich lese die deutsch-katholische Zeitung „Heimat“ Darin las ich den Artikel vom Schlammregen. Das Erzählen ging bei uns schon einige Tage davon. Also, das war in der Nummer vom 13. Mai. Ich werde den ganzen Artikel abschreiben, so, wie er hier gedruckt war:
Der Schlammregen.
Der aus der Nordbukowina und Bessarabien gemeldete Schlammregen wurde vom meteorologischen Institut in Bukarest in dem Sinne erklärt, daß es sich um Staub aus den russischen Steppen handle, der infolge der außerordentlich heftigen Stürme der letzten Tage bis in diese Gegenden getrieben wurde. Die Hypothese, daß es sich um Asche vulkanischen Ursprungs handle, sei nicht zutreffend.
Grüße noch einmal alle Leser, den Redakteur und alle meine Freunde und Korrespondenten, und verbleibe mit deutschem Gruß,
Joseph Braun.
Kraßna, den 14. Mai 1928
Geehrter Redakteur Wanner!
Grüße Sie höflichst und alle Leser. Ich danke Ihnen, Herr Redakteur, im Voraus für die Aufnahme meiner Zeilen. Möchte durch ihr wertes Blatt in Erfahrung bringen, ob meine Söhne: Eufenius und Magnus Müller, mein Schwiegersohn, Remigius Paul, sowie auch mein Stiefsohn, Edmund Söhn, am Leben sind. Ihr Aufenthalt war in Po For Vellog, Sask., Canada. Möchte meine Kinder bitten, mir zu schreiben. Und wenn es geht, mir etwas zu spenden; denn ich bin schon alt, 72 Jahre habe ich schon überlebt. Möchte meinen Sohn Magnus bitten, sich photographieren zu lassen und mir ein Bild zu schicken. Von den anderen habe ich schon Bilder erhalten, nur von ihm noch nicht. Eufenius schreibt, daß er mir früher Geld geschickt hat. Ich habe nur von Josef Fentrich $ 5 erhalten, sonst von keinem Menschen. Das war, als Herr Fentrich in Kraßna weilte, ich denke, meine Kinder werden mich ja auch nicht verlassen. Mein Sohn Peter Müller und mein Stiefsohn Markus Söhn täten auch gerne Ihre Zeitung lesen, wenn sie jemand von den Brüdern zugehen ließ.
Grüße an alle Leser, und verbleibe
Rosa Söhn
Witwe von Karl Söhn.