Aus landsmännischen Kreisen
Schields, N. D.,
den 7. Januar 1930
Werte Dakota Rundschau.
Bis daher habe ich die Dakota Rundschau von meinem Nachbar, Gevattermann Nikolaus Ferkel, dessen Frau die Tochter des Johannes Wingenbach aus Kraßna ist. Ich habe mich überzeugt von dem reichen Inhalt der Rundschau und dachte mir, daß man das Blatt selbst bestellen muß und daher der Redaktion anbei einen Scheck.
Wir sind jetzt schon 20 Jahre in Amerika, und wenn ich die Artikel von Herrn Braun lese über das Dorf Kraßna, so bekommt man wieder ein reines und klares Bild, wer da noch lebt, und wer da in diesem oder jenem Haus wohnt. Darauf mache ich meine Kraßnaer Landsleute aufmerksam und möchte jedem empfehlen auf keine zwei Dollar zu schauen und sich das Blatt kommen zu lassen. Überhaupt finde ich da immer viel aus Bessarabien, dessen Leben sich da abspielt. Ich fand darin, daß mein Geschwisterkind Fridolinus Arnold noch bei Leben ist, den ich bestens grüße.
Das Wetter war über die Feiertage recht schön, so daß man das Vieh nicht zu füttern brauchte, aber am 5. Januar trat Kälte ein und das Thermometer zeigte 23 unter Null. Die Ente war bei uns sehr schwach und dazu sind jetzt noch die Preise zu niedrig. Für den Rahm zahlt man nur 35c. Was ist sich darüber zu denken, liebe Farmer, wenn man die Butter zu 50 und 60c das Pfund verkauft? Die sich jetzt nun gerade mit Milchwirtschaft beschäftigen, können auch zugrunde gehen bei solchen Preisen. Man spricht immer davon, daß dagegen etwas gemacht werden müßte, es bleibt aber immer beim Alten. Selbst die Farmer, die doch eine und dieselbe Interessen haben, traut einer dem anderen nicht. Jeder Farmer ist für sich, er kann auch dem anderen nicht aushelfen, sondern hat nur für sich zu sorgen. Man wendet sich an die Bank und dort wird man wieder betrogen. Ich und mein Bruder Zachaeus verkauften Vieh und brachten unser Geld am 5. Juli auf die Bank. Am 13. Juli wurde die Bank geschlossen, und damit war unser Vieh weg und auch unser Geld war weg. Dabei sagt man immer noch dem Farmer tut es nichts. Wir Farmer wissen aber, daß es uns schon genug getan hat.
Zum Schluß möchte ich nochmals unsere Bessarabier Landsleute grüßen und dazu auffordern, die Rundschau fleißig zu bestellen und auch fleißig zu lesen.
Der Braun fängt jetzt im Dorf beim Jung Schick mit der Dorfbeschreibung an.
Die besten Grüße
Philipp Kahl