Aus Landsmännischen Kreisen
Schields, N. D.,
den 22. Februar
Werter Herr Redakteur Brendel!
Letzte Nacht bekamen wir eine Million Dollar gespendet, nämlich durch einen herrlichen Schnee, der 5 Zoll hoch und gleichmäßig auf der Erde liegt, denn es wehte kein Wind und das Schneewasser wird gleichmäßig in die Erde sickern.
Wie aus einer Korrespondenz aus Waterloo zu ersehen ist, hat Herr Brendel auch Strapazen unter der Bolschewistenfuchtel durchmachen müssen, Dabei gibt es immer noch Leute, die das Gegenteil glauben von all dem, was drüben vor sich geht und meinen, daß sie den Bolschewisten gehorchen sollen, dann passiert ihnen nichts. Das ist selbstverständlich wahr, aber welcher christlich erzogene und anständige Mensch kann das tun? Die früher wegen Verbrechen nach Sibirien verschickt waren, sind heute die Gebieter, die heute vorschreiben, daß die Leute nicht an Gott, sondern an den Teufel glauben sollen, und so tun, wie der Bösewicht es haben will. Können solche Menschen etwas Gutes verlangen und kann ein rechtschaffener Mensch ihnen gehorchen, ohne daß sein Gewissen damit gestört wird?
Ich weiß, wie sich das Volk aus guter, alter Zeit gegen irgendwelche kleine Verbrechen aufregte und zum Volksgericht überging. So hat im Jahre 1909, ich weiß noch gut, daß es im Monat März passierte, eine Zigeunerbande von 7 Mann und einer Frau dem Lorenz Müller in Krasna, Bess., den Keller ausgeleert, die auch sofort aus dem Dorf verschwand. Sofort ging´s auf die Suche nach ihnen. Man fand sie 7 Werst hinter Paris, wo sie sich wiederum gelagert hatten und das Gestohlene verzehrten. Sie versicherten, daß sie den Josephstag hier feiern. Mit Ausnahme der Frau, die man in Ruhe ließ, wurden alle 7 Zigeuner tüchtig durchgehauen und der Polizei übergeben. Die Zigeuner stahlen in der Nacht und verschwanden und die Sowjetregierung läßt heute nicht nur Keller ausrauben, sondern läßt den besseren Familien alles wegnehmen, die Räuber verschwinden nicht dabei, sondern bleiben als gesetzliche Machthaber an Ort und Stelle und diejenigen, die ausgeraubt wurden, die also triftigen Grund zu klagen hätten, werden dazu noch nach Sibirien in die Wälder zur Zwangsarbeit verschickt. Sie sind schuld daran weil sie früher fleißige und sparsame Leute waren. Hätten sie früher gestohlen und nichts getan, wie die Zigeuner, so wäre ihnen nichts passiert.
Gruß an alle Leser und die Redaktion.
Philipp Kahl