Film 11463, Vol. 5, No. 27, Page 3
Krasna, Bessarabien, Rußland, Dezember 16. 1910
Mit dem 15. Dezember endigte unser Herr Oberschulze Gottlieb H. Leintz seine Amtsthätigkeit. Er war in seinem Dienste von Jedermann hoch geachtet und angesehen, nicht seines Reichthums, sondern seiner Umsicht wegen. Fünf Jahre hat er als Oberschulze amtirt und erhielt auch von unserem gnädigen Kaiser Nikolaus dem Zweiten eine goldene Medaille vom Jahre 1908 mit dem Bande des hl. Stanislaus. Nun hat Herr Leintz die Aufsicht über unsere Waisenverwaltung.
Gegenwärtig haben wir fast täglich regnerisches, nebliges Wetter. Die Wintersaaten stehen zur Freude der Bauern sehr schön. Rinder und Schafe gehen noch alle Tage auf der Weide. Wir haben keinen Schnee, fast beständig 5 bis 10 Grad Reaumur Wärme, und die Bauern sind täglich mit Weinpflanzen beschäftigt.
Will zum Schluß noch eine launige Geschichte hier zum Besten geben:
Der Ofenputzer. Die Brüder Joseph und Albrecht Bauer, zwei arme Waisen, beide dienstunfähig, wohnen allein im Vaterhaus. Einer um den anderen muß täglich die Suppe kochen und den Ofen heizen. Eines Tages aber wollte es im Ofen nicht recht brennen. Da sagte Joseph zu Albrecht: „Komm mal raus, du Faulpelz, und bringe die Hacke mit, denn gestern wollte es im Ofen nicht recht brennen und ich muß einmal nachsehen.“ Damit zog er seine Jacke aus und kroch in den Ofen, die Hacke mitnehmend. Drinnen angekommen aber schimpfte er über die Dunkelheit und daß er nichts sehen könne. Also rief er: „Bringe Licht, Albrecht, damit ich sehen kann was da ist.“ Albrecht aber, als witziger Bube, nahm einen guten Strohwisch, steckte ihn an und warf ihn in den Ofen, damit sein Bruder Licht habe und sehen könne. Er selbst ging dann hinaus auf den Hof und sang ein Liedchen. Der Rauch drang in den Ofen und Joseph drohte in demselben zu ersticken. Guter Rath war theuer: rückwärts konnte er nicht, und ersticken wollte er nicht, also griff er kurz besonnen nach der Hacke und schlug aus Leibeskräften gegen die Ofenwand. Im Nu fast hatte er eine Öffnung in dieselbe gehämmert, durch welch er glücklich in die Stube gelangte und spornstreichs in's Freie springen wollte um frische Luft zu schnappen, als Albrecht ihm in der Thüre begegnete, wo sich die beiden gegenseitig nicht eben mit Kosenamen belegten.
Möchte wissen, ob mein Freund Jakob A. Kopp bei Dogtooth in Nord-Dakota und mein Schwager Martin A. Kopp bei Maple Creek in Sask. Canada auch Leser dieses Blattes sind. (Ersteren finden wir nicht auf der Liste in Dogtooth, aber letzterer ist Leser des Blattes. Der Wechsel in der Wahl der Prämien war glücklicherweise noch möglich, weil die Karten noch nicht fertig sind. Also wird Ihnen an Stelle dieser die Schere zugesandt. -Red. Staats-Anzeiger.)
Gruß an alle Leser des Blattes und an die Redaktion.
Anton Gedak