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dokumente:zeitungen:eureka:b-19101208-q2

Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 8. Dezember 1910

Krasna, Bessarabien, 18. October 1910

Lieber Herausgeber und liebe Mitarbeiter

Es ist mir eine Ehre zu berichten, dass ich jetzt den Staats-Anzeiger erhalte, bezahlt von meinem Freund Michael Volk. Bitte ihm von ganzem Herzen zu danken. (* Mitarbeiter. Wir werden die neuen Wandkarten verschicken, sobald sie dafür bereit sind)

Nicht viel Neues hier. Wir hatten eine hervorragende Ernte mit 80-110 Pud pro Desjatine für Winterweizen, 10-30 Pud pro Desjatine von Sommerweizen, 70-90 Pud pro Desjatine für Gerste und Hafer. Wir haben deshalb auch viel Stroh. Der Mais ist hervorragend und so sind auch die Kartoffeln. Es gibt allerdings wenig Wein, da die Reben fast seit Juli ohne Blätter waren. Also, der wenige Wein, der da ist, wird herb.

Tagelöhner und bezahlte Helfer waren sehr teuer in diesem Jahr. Sie verdienten 1 Rubel, 50 Kopeken bis 2 Rubel pro Tag. Saisonarbeiter für Ernte und Dreschen verdienten 90-115 Rubel. Auch mit Geld, Betteln und vielen guten Worte, war es wirklich schwer, Hilfe zu finden.

Wir hatten schönes Wetter bis jetzt. Es regnete vom 1. bis 10. Oktober. Die Wintersaat ist abgeschlossen, und mit Gottes Segen werden wir eine sehr gute Ernte haben im nächsten Jahr.

Plötzlicher Tod! Die Mühle ging mit Volldampf, als Maschinist Herrmann Schäfer um 6.30 Uhr am 7. Oktober mit der Schmierung der Maschinen und des Getriebes der Dampfmühle in Tarutino beschäftigt war. Die Räder verfingen sich in seiner Kleidung. Er war innerhalb von Sekunden auf den Boden geschmettert und leblos, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Er hinterlässt eine Frau und sieben Kinder. Die Witwe des unglücklichen Mannes und der Mühlenbesitzer einigten sich auf eine Entschädigungssumme von 1.100 Rubel.

Ich werde alles tun, um alle berichtenswerte Dinge aus Krasna und Bessarabien, nämlich dem Akkerman-Bezirk, an den Staats-Anzeiger zu melden, damit die Leser in Ihrer Nähe über die Ereignisse in der ehemaligen Heimat auf dem Laufenden gehalten werden. (* Verlag: Wir akzeptieren mit vielen Dank und Dankbarkeit.)

Grüße an alle Leser dieser Publikation, sowie Herausgeber Brandt!

Achtungsvoll,

Anton Gedak

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