Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 11. Januar 1912

Film 11463, Vol. 6, No. 24, Page 2

Emmenthal, Bessarabien
December 1. 1912

Werthe Redaktion!

Ich habe versprochen, mein Schreiben den Winter hindurch fortzusetzen und so will ich mein Versprechen auch halten.

Wir haben jetzt kaltes und windiges Wetter. Vorige Woche hatten wir zwei Tage lang Schneegestöber und hatte es uns dreiviertel Arschin Schnee hingeschmissen, der aber in ein paar Tagen wieder ziemlich weggeschmolzen ist und stellenweise kein Schnee mehr zu sehen war. Die Schlittenbahn dauerte nur ein paar Tage und jetzt ist Schmutz und Schnee durcheinander, so daß man nicht mit dem Wagen und auch nicht mit dem Schlitten vorwärts kommen kann. Ich wollte nach Kraßna fahren, aber nun blieb ich lieber zu Hause.

Ein Räthsel will ich den Lesern auf geben: Als Noah in der Arche war, sandte er ein Taube aus; was war es für eine Taube, eine männliche oder eine Weibliche?

Ich habe meinem Freund Pius Kopp bei Richardton, N. D., eine Photographie gesandt und warte noch immer auf Antwort, ob er sie erhalten hat. Vielleicht kann mir der eine oder der andere Leser sagen, ob er dieselbe erhalten hat und ob er mich auf dem Bilde erkannte.

Auch möchte ich gerne die Adresse von Peter Krensel ausfinden. Vielleicht kann mir sie ein Leser mittheilen; sein Sohn Sigmund ist ja auch Leser des Blattes und könnte er dieselbe mir bekannt geben. Er hat schon lange nichts mehr von sich hören lassen; ist er denn wirklich auf einmal so schreibfaul geworden?

Auch einen schönen Gruß an meinen Vetter Jakob Kopp, und wünschte auch gerne seine Adresse zu erfahren. Als er nach Amerika gegangen ist, hatte er mir versprochen zu schreiben und nun warte ich schon drei volle Jahre auf einen Brief von ihm.

Weiter einen herzlichen Grus an meine alte Mutter und Brüder in Maple Creek, Sask., Canada. Mein Bruder Joseph hat mir geschrieben, er wolle mir Photographien senden. Ich passe alle Tage darauf, aber bis jetzt vergeblich. Ich wünsche Allen ein glückliches neues Jahr und alles Gute.

Nun komme ich zum Schluß und sende Gruß an alle Leser des Blattes.

Zachäus Kopp, von Martin.