Film 3639, Vol. 8, No. 35, Page 2
Krasna, Bessarabien Februar 9. 1914
Auf der Hochzeit meines Geschwisterkindes, Edmund Ruscheinsky, Sohn des verstorbenen Peter Ruscheinsky, kam mir zufälligerweise der Staats-Anzeiger Nr. 27 zu Gesicht. Neugierig durchschaute ich diese amerikanische Zeitung, als meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel des Herrn Nikolaus Leintz in Esmond Nord-Dakota gelenkt wurde. Kaum meinen Augen trauend, stand ich wie betäubt da, denn in Herrn Leintz's Korrespondenz las ich etwas von meinem Onkel Anton Haag, der schon seit über 20 Jahren in Amerika weilt, und von dem wir in dieser Zeit nicht ein einziges Lebenszeichen erhielten, um zu erfahren, wie es ihm in der neuen Heimath ergeht. Wir hatten bereits seit Jahren alle Hoffnung aufgegeben, von ihm zu hören, und nun muß mir zufällig durch den Staats-Anzeiger Kunde werden von ihm. Vielen Dank meinem Geschwisterkind Nikolaus Leintz für die freudige Nachricht von meinem Onkel Anton, denn nun weiß ich doch wenigstens, daß er noch lebt. Ich bitte Nikolaus, mehr von Onkel Anton zu berichten, bei dem er auf der Hochzeit war. Aber es wurde nicht berichtet, wer von seinen Kindern geheirathet hat und wer der Bräutigam war. Das alles zu erfahren, würde mich und viele hier interessiren.
Auch möchte ich Geschwisterkind Nikolaus Leintz bitten, uns den Staats-Anzeiger doch zusenden zu lassen. Ich würde dann öfters Korrespondenzen aus seiner alten Heimath an den Staats-Anzeiger schreiben, der sehr viele Leser auch aus Kraßna haben muß.
Gruß von meinen Eltern und auch meinerseits an alle Freunde in Amerika.
Cyrillus Haag, von Joseph.