Auszug aus „Eureka Rundschau“ - „Das Nordlicht“ 18. Juli 1928 · 📰

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Bismarck, Nord Dakota
vom 18.07.1928

Aus der alten Heimat

Kraßna, Bessarabien
Den 20. Juni 1928

Hochgeschätzte Redaktion!

Es hat mich außerordentlich gefreut, meine Berichte in No. 49 und No, 50 des geschätzten Blattes zu lesen. Beim ersten Begegnen rief mir Herr Ternes schon von der Ferne entgegen, daß meine Berichte gebracht wurden und wir hatten zusammen die beste Unterhaltung über die Zeitung, derer wir uns nicht genug freuen können, wenn sie ankommt.

Wir sind wiederum in eine traurige Lage gesetzt dieses Jahr, denn es fehlte die ganze Zeit an Regen. Aber, Gott sei Dank, am 16. Juni hat es angefangen zu regnen und es regnete bis zum 18. Juni, so daß die Erde jetzt genug Feuchtigkeit hat. Aber an Stellen ist die Gerste kaputt und nur in den Tälern, wo Überschwemmung war, ist sie gut, und dazu ist auch zu wenig ausgesät. Kurz und gut, wir haben eine schlechte Zukunft vor uns. Wenn es aber nur Welschkorn gibt, so wird es auch noch gehen, wenn man Momalika zu essen hat. Die Leute gehen daher traurig einher, denn die knappen Jahre vorher sind noch nicht vergessen, aber der liebe Gott lebt noch, auf den wir uns verlassen wollen.

Außerdem hat mich die Familie Joseph und Paulina Wagner gebeten, dem Schwager und Bruder Herrn Peter Hinz bei Leader, Sask., wissen zu lassen, daß die Familie sehr arm ist, sie hat nicht einmal die nötige Kleidung, und daher ist rasche Hilfe sehr notwendig. Dazu ist die Frau noch krank und nirgends was zu verdienen. Auch würde er sehr bitten und im Voraus danken, wenn ihm jemand die Zeitung bestellen würde.

Mit bestem Gruß an die Leser und Redaktion,

Joseph Braun.