Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna,
den 27. Januar, ´30
Sehr geehrter Herr Redakteur Brendel
Die Witterung ist bei uns immer egal und die Erde ist 4 Werschock gefrorenen. Es scheint aber, daß sich das Wetter umgestaltet, denn heute ist alles voll Duft.
Die Getreidepreise sind fürchterlich hier gesunken. Für Gerste zahlt man auf dem Dorf nur noch 33 Lei, für Raps 80 Lei das Pud, der aber meistens verkauft ist.
Am 22. Januar war die Gemeinde versammelt, wo man veröffentlichte, daß zum 15. April alle Waisengelder in die Volksbank eingetragen werden müssen, von wo sie dann weiter in die Staatsbank kommen. Woher die Leute das nötige Geld aufbringen werden, weiß ich nicht, denn die Geldnot ist um 50 Prozent größer als voriges Jahr. Wir wollen jedoch das Beste hoffen.
Die Frau des Michael Ritz und den alten Mathias Fenrich hat der Schlag gerührt, so daß beide schwer krank liegen. Auch Klemens Spitznagel liegt schwer krank.
Getraut wurden: Max Harsche mit Tochter des Anton Haag, Anna. Der Sohn des Alexander Boot, Erasmus, mit der Tochter des Heinrich Winter. Philomena. Der Sohn des verstorbenen Lorenz Riehl, Gottlieb, mit der Tochter des Basilius Steiert, Teresia. Der Sohn des Balser Winter, Matias, mit der Tochter des Leopold Seifert, Veronika, und der Sohn des verst. Heinrich Riehl, Joseph, mit der Tochter des Eustachius Wagner, Katharina.
Den jungen Leuten recht viel Glück.
Als Küster haben wir jetzt Edmund Gansky für 3000 Lei den Monat. Er hat auch Religionsstunden in der Schule zu erteilen.
Die besten Grüße an die Redaktion und an die Leser.
M. Braun.
(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)