Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 8. Februar ´30
Sehr geehrter Herr Redakteur Brendel!
In meinem vorhergehenden Bericht schrieb ich über Frost, und nun haben wir volles Frühjahr. Die Bauern beginnen schon zu ackern, und mancher hat schon 1 bis 2 Deßjatine Gerste eingesät. Einen Bauern frug ich, der vom Felde heimkam: „Hat´s gut geackert, und was habt ihr gesät? - Jo, meint er, ´s hat gut g´ackert. Ich hab Gerscht g´sät. Des isch an Teufel, ob die Gerscht drauß kaputt geht, mer kriegt doch nicks dervor un Zeit hat mer jetzt. Ich mußte ihm recht geben.
Heute hatten wir einen Sturm der Häuser abdeckte. Der Schaden ist nicht groß. Auch fing es wieder zu frieren an.
Auf der Totenliste steht Joseph Hein, 30 Jahre alt, der seine Frau und ein Kind hinterließ.
Getraut wurden am 4. Februar: Melchior Dirk, Sohn des verst. Johannes mit der Tochter des Georg Ternes (Kriegsgefallener), Dorothea.
Glück im Ehestand.
Bei uns waren am 31. Januar Wahlen. Als Oberschulze ist Alexius Riehl und Aschu der Eustachius Wagner gewählt worden. Ins Dorfkonsum wurden folgende 12 Mann gewählt: Thomas Volk, Johannes Schaeffer, Peter Mueller, Joseph Wingenbach, Joseph Soehn, Semfor Dirk, Albert Gulewitsch, Korbinian Leinz, Johannes Herrschaft. Valerian Furch, Joachim Boot und Peter Bachmeier. Wünschen den Herren recht gesegnete Arbeit zum Wohl des Dorfes, die hoffentlich die Hunde nicht auf dem Kanzleitisch rumtanzen lassen. Drei Tage lang hatte man mit dem Vallotieren zu tun. und endlich kam man zu obigem Resultat.
Zum Schlusse grüße ich die Redaktion und Leser hüben und drüben.
Joseph Braun.
(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)