Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 7. Mai
Sehr geehrter Herr Brendel!
Am 26 April und 3. Mai hatten wir Frost. wodurch die Kartoffeln und Obstbäume Schaden erlitten. Die Aussaat ist schön, ja; der Winterweizen ist eine halbe Arschin hoch. Noch ein guter Regen und Gottes Segen.
Auf der Totenliste sind: Frau Tekla Volk, Witwe des verstorbenen Michael Volk, geb. Ziebart. Sie erreichte das Alter von 70 Jahren und hinterließ Kinder hier und in Amerika. Am 3. Mai starb die Frau des Wendelin Hinz, Susanna, geb. Harsche, hinterließ Gatte und Kinder. Dies diene ihrem Bruder George Harsche in Shields, N. Dak. zur Nachricht. Sie war 55 Jahre alt und schon längere Zeit krank.
Heute Morgen sind folgende Familien nach Brasilien abgereist: Joseph Ternes mit Frau Luzia. geb. Schaefer, aus Kandel, nebst sieben Kindern; Anton Kuß und Frau Philomena, Tochter des Konrad Folk, mit vier Kindern, Theobald Nagel mit Frau Gertrude, Tochter des verstorbenen Peter Kuß, mit fünf Kindern. Mathias Wuitschik mit Frau Angelia, Tochter des verstorbenen Anton Herrmann, mit sechs Kindern.
Wünsche den Familien eine glückliche Überfahrt und Ankunft!
In No. 43 der „Dakota Rundschau“ vom 4. April las ich den Bericht von Herrn Johannes Miller aus Mondebele, Brasilien. der mich sehr interessierte, desgleichen auch bei den heute nach Brasilien ausgewanderten Familien einen guten Eindruck machte, und das überhaupt bei allen hier. Wir bitten den Herrn Johannes, öfters in der „Dakota Rundschau“ solche Berichte veröffentlichen zu wollen, damit die Leute hier über die wirkliche Lage in Brasilien gut unterrichtet werden, denn noch viele von hier möchten gern nach dorthin auswandern. Du schreibst von acht Familien, aber erwähnst nicht die Namen derselben.
Wir grüßen Dich, mein lieber Kamerad Johannes Miller, und die Kraßnaer dort. Schreibe nur öfters, denn Du weißt ja, daß wir in Kraßna die „Dakota Rundschau“ in mehreren Häusern zu lesen haben, und kannst ja auch dafür sorgen, daß man diese Zeitung auch bei Euch dort erhalte. Was macht der Kamerad Joseph Paul, Alois Herrschaft und L. Winter?
In der Nacht auf den 2. Mai wurde Herrn Semfor Dirk, der einen Laden mit Kolonialwaren und eine Metzgerei hat, ein Lamm aus dem Stalle gestohlen. Dabei verschwand auch sein Hund. Von den Dieben keine Spur.
Der Redaktion und den Lesern hüben und drüben die besten Grüße.
Joseph M. Braun.