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dokumente:zeitungen:eureka:w-19300620-q1-paper

Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 20. Juni 1930 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 13. Mai

Sehr geehrter Herr Redakteur!

In meinem letzten Berichte teilte ich mit, daß der Winterweizen gut wäre, jetzt muß ich leider das Gegenteil sagen, denn durch den Frost, den wir hatten, ist das Laub abgefroren, der Stengel steht kahl da und wenn nicht bald Regen kommt, so ist alles dahin. Gerste, Hafer und a. sind noch schön; aber Regen ist auch da nötig. Die Preise zu alledem sind sehr niedrig, z.B. Gerste ist gegenwärtig 25 Lei pro Pud, Welschkorn 30 Lei. Für Gerste, die noch auf dem Felde steht, zahlt der Jude den Spottpreis von 11 Lei pro Pud. Viele haben ihre neue Ernte auch schon verkauft, und dieses Jahr wird´s um 50 Prozent schlimmer als letztes. Ihr werdet wohl fragen warum? Weil in den schlechten Jahren die Leute viel Schulden machten, und müssen die alle jetzt abgezahlt werden, so daß die Ernte nicht mal ausreichte, und darum muß die neue Ernte herhalten. Wollen aber einstweilen die Hoffnung noch nicht aufgeben und das alles dem lieben Gott überlassen.

Heute wurden folgende Paare getraut: Witwer Markus Ternes mit Margaretha Reimann, Tochter des verst. Jakob Reimann. Adelbert Mathe v. Max mit der Witwe Elisabetha Ternes, geb. Fenrich. Witwer Balzner Wagner mit Rosalie Maas v. Adolf. Viel Glück den Neuvermählten!

Adolf und Valerian Furch bitten ihre Freunde, sowie auch alle Selzer (Kutschurgan) um irgendwelche Auskunft über ihren Bruder Johannes Furch, gewesener Seelsorger in Selz. Er wurde verhaftet, und sie haben seitdem nichts mehr von ihm gehört - lebt er noch, oder ist er tot. Die Brüder sprechen ihren besten Dank im Voraus aus. Vielleicht weiß man in Amerika etwas von Pater Johannes Furch? Wir sind wohl hier nur einen Hahnenschritt von Kutschurgan, aber ihr über dem großen Wasser wißt mehr als wir hier über dem Dnjestr.

Möchte Auskunft haben über meinen Schwager Valentin Bertsch, wohnhaft in Selz, den besten Dank im Voraus.

Zum. 15. Jubiläumstag wünsche ich der Dakota Rundschau eine große Anzahl neuer Leser, und ich hoffe für die Kraßnaer in Amerika, viele Neuigkeiten zu bringen.

Die besten Grüße an die Redaktion und alle Leser hüben und drüben sendet
Joseph Braun.

dokumente/zeitungen/eureka/w-19300620-q1-paper.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher