Interessante Beichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 16. Juli 1930
Geehrter Herr Redakteur Brendel!
Am 13. Juli hatten wir Regen und Schloßen dabei, begleitet von einem heftigen Sturmwind, wobei viel Schaden angerichtet wurde u. bei Neu-Paris alles total vernichtet wurde. Darüber wird wohl Näheres Herr Adolf Jeske berichten, mit dem ich eine Unterhaltung hatte u. der sich dahin aussprach, daß die „Dakota Rundschau“ die einzige amerikanische Zeitung sei, die er kenne, die auf gesundem Standpunkte stehe und nicht bolschewistisch tut.
Mit der Ernte ist man fertig und mit der Drescharbeit tut man beginnen.
Vor kurzer Zeit hatten sieben Bahnarbeiter ihre Waggonetka bei Beresina an den Zug angehängt, der von Akkerman kam. Alle sieben saßen darauf und bei Kraßna platzte ein Rädchen und die Arbeiter flogen herunter. Ein Russe schlug sich die Brust durch, ein Deutscher, Zachäus Boot, verrenkte sich ein Bein, und dazu erhielt er noch eine Kopfquetschung, so daß er halbtot nach Hause gebracht werden mußte. Aerztliche Hilfe erhielt ihn am Leben, er ist aber arbeitsunfähig geworden, und befindet sich jetzt seine Familie in sehr armem Zustande. Das diene dem Maximilian Heidrich in Straßburg, N. D. zur Nachricht.
Wie ich schon berichtet habe, sind Familien nach Canada abgereist. Davon ist Rochus Speicher zurückgekommen, denn sein Mädchen hat eine Narbe am Auge, die von einer Operation zurückblieb. Das Geld des Mannes ist dahin und daher ist er jetzt sehr arm.
Heute Morgen ist Josef Wagner mit seiner Frau Scholastika, geb. Fenrich, und drei Kindern nach Kanada abgereist, wo er sich bei Prelate, Sask., bei Josef Fenrich niederlassen wird, der ihm auch die Reiseerlaubnis besorgte. Recht viel Glück.
Herrn Johannes Müller in Brasilien die besten Grüße und Mitteilung, daß man seine Berichte hier recht gerne liest und mehr ausführlich über die Lage dort erfahren möchte durch diese Zeitung, denn hier sind noch viele, die dorthin auswandern wollen.
Die besten Grüße
Joseph Braun