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Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 19. September 1930 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 8. August 1920

Geehrter Herr Redakteur Brendel!

Ich arbeite daran, daß die zwei Flüchtlinge, Schmalz aus Kandel und Vetsch aus Selz, die sich jetzt in Oleschni befinden, nach Kraßna kommen. Hier finden sich noch genug gute Leute, die sich ihrer annehmen werden. Hätte ich Zeit, so würde ich schon zu Fuß dorthin gelaufen sein, obwohl es 80 Werst ab ist von Kraßna. Laut Gesetz müssen sie 50 Werst von der Grenze weg sein. Als beide noch im Gefängnis in Ackermann saßen, ist unser Oberschulze und P. Leibham hinübergefahren, um sie zu sehen, mit ihnen zu sprechen und für sie zu sorgen, sie waren aber schon nach Kischinew abgeschickt gewesen. Jetzt sind sie aber ganz frei und arbeiten in Oleschni.

Mit Josef Hilzendeger, Sohn des Peter aus Baden, stand es auch so, der nun seinen Namenpaß erhalten soll. Wir werden auch für diese beiden auf diesem Wege sorgen und ich danke Ihnen, Herr Brendel, für den guten Rat. Ich habe mich 1923 als rumänischer Bürger einschreiben lassen, das manchen Schweißtropfen gekostet hat. Nun aber kann ich ruhig sein.

Wie man kürzlich sagte, sind wieder welche aus Worms und aus Großliebental herübergekommen. Die einen sagen, es wären Roemmich, auch wird die Familie Frank genannt. Ich werde es ausforschen und sofort mitteilen, wer die Herren sind, die das Glück hatten, aus dem Bolschewistenland zu flüchten.

Eine Fuhre nach der anderen geht jetzt auf die Eisenbahn von der neuen Ernte, aber leider ist der Preis zu niedrig. Für Gerste zahlt man 28 Lei, Welschkorn 45, Hafer 48 Lei pro Pud. Man tut vollständig verkaufen. Alles geht den Krebsgang. Es ist eine große Hitze und sollte nötig regnen.

Schwer krank liegt die Witwe des verstorbenen Lorenz Riehl, das ihrem Sohn Adolf in Raleigh, N. D., zur Nachricht diene. Die Mutter wie seine Geschwister lassen ihn herzlich grüßen und der Michael bittet ihn, daß er ihm doch die Dakota Rundschau zusenden möge.

Der Redaktion und den Lesern hüben und drüben die besten Grüße.

Josef Braun.

dokumente/zeitungen/eureka/w-19300919-q1-paper.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher