Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 28. November 1930
Geehrter Herr Redakteur Brendel!
Es ist spät an der Zeit, aber wenn Gott will, kann es noch eine Ernte geben, denn da es jetzt geregnet hat, tun die Leute ihr Wintergetreide bestellen.
Hier ist die Witwe Marianna Bachmeier, geb. Müller, am 26. November im Alter von 64 Jahren gestorben, das Herrn Johannes Müller in Mondebele, Brasilien, dessen Tante sie war, zur Nachricht diene. Der liebe Gott gebe ihr die ewige Ruhe.
Getraut wurden: Der Sohn des verstorbenen Joseph Riehl (Seppel), namens Joseph, mit Klara Dirk, Franz Tochter; Bernhard Wingenbach, Sohn von Albert, mit Erbelie Krams, Josephs Tochter; Johannes Folk, Sohn des Jakob, mit Theresia Soehn, Tochter des verstorbenen Anton; Plasius Ihli, Sohn Klemens, mit Dorothea Riehl, Tochter des im Weltkrieg gefallenen Peter Riehl. Den Paaren recht viel Glück.
Herr Ambrosius Leinz grüßt seinen Bruder mit Familie Thomas Leinz in Dodge, N. D., teilt mit, daß alle gesund sind. Auch grüßt der Ambros seine Geschwisterkinder: Felix Leinz in Brisbane, N. D., und Max Leinz in Selfridge, N. D., und bittet ihn, doch mal einen Brief zu schreiben, denn er hat schon über ein Jahr nichts mehr von ihm gehört. Er würde auch die Herren um das Blatt bitten, wenn jemand unter ihnen ihm die „Dakota Rundschau“ für ein Jahr bezahlen würde, dafür er sich im voraus bedankt.
Dem Sebastian Koch wurden 45 Pud Federn und Wolle vom Speicher herunter gestohlen, darüber die Spur verschwunden ist.
Die Leine wurde gefunden bei Samuel Janz, wie ich früher berichtet habe; sitzt jetzt in Ackermann im Gefängnis.
In der deutschen bessarabischen Zeitung habe ich gelesen, daß man Stalin in Moskau ermordet oder erschossen hat. Ist das wahr? Das wäre für die ganze Welt ein Glück und für unsere Landsleute noch das größte. (Diese Nachricht ging durch die europäische und amerikanische Presse, wurde aber bald widerrufen. Soll nur eine Balgerei gewesen sein, wobei Stalin als Sieger hervorging. (Die Red.))
Die Krasnaer Gemeinde ist daran die Viehweidefrage zu lösen. Die eine wollen nämlich die Viehweide umackern und die anderen nicht.
Der Redaktion und allen Lesern hüben und drüben fröhliche Weihnachten und ein glückliches Neujahr.
Joseph Braun.