Deutsch
Aus landsmännischen Kreisen
Shields, N. D.,
den 8. Dez. 1930
Werter Herr Redakteur Brendel!
Muß mich auch mal wieder hören lassen und sende gleichzeitig mit diesem einen neuen Leser ein, dafür das Geld für ein Jahr beiliegt.
Der Farmer hat hier nur über hohe und niedrige Preise zu klagen. Die Stadtleute sagen, daß es ihnen noch gut gehe, ich denke aber es wird nicht so wichtig sein, denn in dem reichen Amerika wird es uns noch so schlecht gehen, wie denen in dem armen Rußland. (Wenn wir eine. Bolschewistenregierung bekommen, sicher, dem wollen wir aber vorbeugen. Danken, Gruß. Red.)
Herrn Maximilian Kahl in Kraßna, Bessarabien, die Mitteilung, daß sein Bruder August schon vor zwei Jahren in Kanada gestorben ist. Seine Frau Katharina, geb. Schne, wohnt meines Wissens in Fox Valley Sask., Kanada.
Herr und Frau Adolf Dreßler hatten kürzlich das Unglück, in innerhalb einer Woche zwei Kinder zu verlieren; das eine war 2 Jahre und das andere 3 Monate alt, als sie starben. So geht´s unter der Menschheit, der eine hat Leid und der andere Freud.
Unser Postfahrer, Herr Friedrich Herzog, hatte harte Fahrt mit der Car durch den Schnee zu kommen, das besonders, weil er allein war. Als Aushilfe nahm er die Lehrerin mit, da aber solche durch die jetzige Carfahrt die Schule versäumt, so verlor er seine Aushilfe und muß wieder allein fahren. Nur nicht verzagt, Fred, der Schnee geht wieder von selbst fort.
Mit bestem Gruß
Philipp Kahl.