Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 27. Februar 1931 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 21. Januar1931

Sehr geehrter Herr Redakteur!

Gestern hatten wir eine Gemeindeversammlung, auf der die Männer in den Volksrat gewählt wurden, nämlich Eduard Ruscheinsky, Isidor Leinz, Lazarus Volk, Joseph Neumann, Viktor Nagel und Maximilian Martha. Diese 5 Mann wählten unter sich einen Vertreter, Max Martha, der Beisitzer im Volksrat sein wird.

Am 17. Januar starb der Witwer Anton Haag im Alter von 65 Jahren; er war nur kurze Zeit krank. Der Herr gebe ihm die ewige Ruhe. Überhaupt kann man sagen, daß es bei uns mit dem Gesundheitszustand nicht am besten steht. Viele Personen liegen krank, darunter auch der Flüchtling Eugenius Vetsch, meine Frau und noch mehrere Personen, zu derer Behandlung wir den Doktor Bäckmann holen ließen, ein sehr beliebter Herr bei den Kraßnern.

Herr Thomas Folk läßt seinen Bruder Anselmus Folk bei Straßburg, N. D., grüßen und teilt mit, daß nach ihrer Mutter Tod etwas Vermögen zurückblieb, darüber er angeben möge, was damit zu machen. Er hat schon einige Briefe geschrieben und erhält darauf keine Antwort. Falls Folk kein Leser der Rundschau sein sollte, so mögen ihn die Nachbarn darauf aufmerksam machen. Darüber wird ein Brief an Herrn Brendel abgesendet werden.

Die Getreidepreise stehen still. Eine solche Geldknappheit ist noch nie dagewesen, alles ist tot, kein Handel und kein Wandel.

Heute erhielt unser Priester ein Telegramm aus Benderi, daß dort wiederum ein Flüchtling angekommen ist mit der ganzen Familie, nämlich Familie Bartle.

Heute wird nach Benderi gefahren, um nachzusehen, was sich da machen läßt. Wir wollen das Beste hoffen und werden weiter über diesen Fall umständlich berichten.

Kürzlich schrieb Pater Deobald Kopp aus Straßburg, Südrußland, daß Pater Joseph Hein in Jerimejewka gestorben ist. Er war 66 Jahre alt. Der Herr gebe ihm die ewige Ruhe.

Herr Thimoteus Fenrich, der mit Familie gesund ist, läßt seine Brüder Lorenz, Joseph, Markus und Johannes bei Prelate, Sask., grüßen. Solchem Gruß schließt sich auch der Unterzeichnete an und würde freundlichst bitten, daß die Herren Berichte in die Dakota Rundschau einsenden mögen, die man hier immer gerne lesen würde, wie es dort zugeht.

Herr Simon Engel läßt seinen Bruder Michael bei Prelate grüßen und bittet um Nachricht.

Nach abwechselnder Witterung, einmal Tauwetter, dann wieder Frost, begann am 19. Jan. ein Schneegestöber. Es liegt jetzt schon ¼ Arschin Schnee. Gestern hat es geregnet, so daß der Boden nicht gefroren ist und all das Schneewasser in die Erde dringen wird.

Zum Schluß grüße ich die Redaktion und die Leser von hüben und drüben.

Joseph Braun.