Aus Landsmännischen Kreisen
Lins Caxia, Brasilien,
den 6. Februar
Werter Herr Redakteur Brendel!
Das Wetter ist hier nach Wunsch des Bauern, denn fast jeden Tag hatten wir Regen. Bald, ich denke in 14 Tagen werden wir anfangen, Reis zu schneiden, davon wir eine gute Ernte bekommen, wenn nicht welcher Schaden in dieser Zeit eintritt. Bohnen pflanzen wir schon zum zweitenmal. Auch geht es bald zur Kaffeernte, die besser ist als voriges Jahr, es ist eine Pracht alles anzusehen.
Bei Bernhard Herschaft ist der Langbein eingekehrt und hat einen Stammhalter zurückgelassen. Dasselbe auch bei Joseph Wingenbach, der erst 10 Monate im Land ist.
Am 14. Dezember 1930 starb Johannes Nagel, der erst vor 9 Monaten nach Brasilien einwanderte. Er kam aus Emental, Bessarabien, Rumänien, hinter ließ seine betrübte Gattin und zwei kleine Kinder in größter Armut. Die Witwe ist eine geborene Loeb, Tochter des Zelestinus Loeb. Da die Frau zwei kleine Kinder hat, so kann sie nicht auf Arbeit gehen, und daher sind mögliche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in Kanada gebeten, ihr welche Hilfe zukommen zu lassen.
Wer könnte mir Auskunft geben über meinen Onkel Pater Joseph Hein und meine Schwester, die sich bei ihm befindet. Als ich aus Krasna wegfuhr, waren sie in Jerimejewka bei Odessa und seit dieser Zeit habe ich noch nichts von ihnen zu hören bekommen.
Grüße an alle Verwandten hüben und drüben, wie auch Herrn Redakteur Brendel.
Johannes Mueller
Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 28. Januar
Sehr geehrter Herr Redakteur Brendel.
Durch den großen Schneefall, darüber ich schon mitteilte, steht die Eisenbahn gänzlich. Die Leute werden aufgefordert, dort zu frönen, heute sind 25 Mann weggegangen und morgen müssen 50 fort, Schnee schaufeln, um die Gassen von Schnee zu reinigen. Damit man fahren kann, sind zuerst Reiter geritten, den Schnee ein wenig zusammenzutreten. Auch Häuser waren ganz zugeschneit. Kaspar Wingenbach mußte die Nachbarn zuerst rausschöpfen, und die Frau Klemens Spitznagel mußte 1 ½ Tage sitzen, bis der Nachbar zufällig hinkam und auf den Schanzen bis zum Schornstein schritt. Vom Dach aus machte er einen Weg zur Tür. Die Frau war noch munter mit ihren Kindern, hat das Licht bis Mittag gebrannt. Ihr Mann ist Eisenbahner und war fort auf Arbeit.
Letzte Nacht hatten wir 17 Grad Kälte, und jetzt haben wir Sonnenschein, aber doch noch kalt.
Heute starb Konrad Folk im Alter von 56 Jahren, hinterläßt Frau und 6 Kinder, davon 3 verheiratet sind. Zwei Töchter sind in Brasilien. Gott gebe ihm die ewige Ruhe.
Ferdinand Wingenbach liegt schwer krank. Unter den Kindern herrscht eine Krankheit.
Thomas Schäfer läßt seine Taufpaten Herrn Thomas Ihli in Hettinger, N. D., grüßen, er ist gesund mit den Seinigen, würde um genaue Adresse bitten und wenn es möglich wäre, für ein Jahr die Dakota Rundschau, dafür er im voraus bestens dankt.
Grüße die Leser hüben und drüben.
Joseph Braun.