Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


dokumente:zeitungen:eureka:x-19310327-q1-paper

Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 27. März 1931 · 📰

Gallery ➤ 📰

Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 23. Februar 1931

Geehrter Herr Redakteur Brendel!

Auf den Regen folgte Schnee und wieder Regen, so daß am 19. Februar die Bäche über die Ufer getreten sind und manche Wirte auf ihren Dreschplätzen und vor ihren Hoftoren dämmen mußten, um das Wasser abzuhalten.

Am 16. Februar starb Michael Mandernacht im Alter von 72 Jahren, der seine Frau und Kindeskinder hinterließ.

Herr Jakob Bartle, von dem ich schon mitteilte, daß er aus Selz im Kutschurgan nach Bessarabien mit seiner Familie flüchtete, war hier in Kraßna, um sich eine Beschäftigung zu suchen, seine Familie zu ernähren. Er konnte hier nichts finden, aber doch wird er nicht zu hungern brauchen.

Hier herrscht die spanische Grippe, daran 92 Schulkinder und manche ganze Familien krank liegen, doch Todesfälle sind keine zu verzeichnen. Die Krankheit dauert 3 - 4 Tage, Kopfschmerzen, Hitze, Gliederbrechen und vorbei ist die Krankheit.

Am 20. Februar starb an Lungenentzündung die Frau des Georg Furch, Ottilia, sie war die Tochter des verstorbenen Lukas Erker und hinterließ ihren Gatten und 2 kleine Kinder. Sie brachte ihr Alter auf 27 Jahre. Am 21. Februar starb die Witwe des verstorbenen Daniel Groß, Theresia, geb. Hintz, im Alter von 80 Jahren.

Am 23. Februar hatten wir starken Frost. Das Wasser ist zurückgegangen, so daß man wieder über die Brücke fahren kann.

Getreidepreise: Gerste 18; Raps 50; Weizen 50, Welschkorn 20 und Flachs 140 Lei pro Pud. Die Preise sind so niedrig, daß der Bauer dabei nichts erzielt. Viele haben ihr Getreide verkauft, um ihre Schulden zu zahlen und im Frühjahr müssen sie selbst wieder Saat kaufen.

Am 8. Februar starb die Witwe des verstorbenen Jakob Ternes, Rosalie, geb. Habrich, im Alter von 70 Jahren. Diese Frau lag lange krank. Ihre große Anzahl Kinder sind alle verheiratet.

Am 11. Februar mußten die Rekruten einrücken, deren Zahl in Krasna 28 beträgt. Dieselben zeigten eine Rohheit, sie schlugen den Sohn des verstorbenen Klemens Ihli, daß er nach Tarutino ins Spital gebracht werden mußte. Was den Bösewichten zukommen wird, wird die Zukunft zeigen.

Zum Schluß allen hüben und drüben die besten Grüße.

Joseph Braun


Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 16. März

Geehrtester Herr Redakteur Brendel!

Auf den Schneesturm folgte am 10. März etwas Regen, es liegt trotzdem aber immerhin noch Schnee auf Schanzen. Unser Bach tut stets steigen, wollen aber doch das beste hoffen und keine Ueberschwemmung erwarten. Die Wege sind gänzlich unfahrbar geworden, auch mit 4 Pferden am Wagen ist nicht fortzukommen, denn die Räder nehmen den Erdboden mit und die Pferde brechen bis zum Leib durch die wässerige Erde. Man hat uns versprochen, nächstes Frühjahr einen Chauseeweg zu bauen, der einige Millionen kosten soll, dafür man Geld einzieht.

Das Leben, möchte ich sagen, steht still, keine Arbeit und auch kein schlechter Handel, also Zeit genug, auf den Tanzboden zu gehen.

Am 25. Februar starb Jakob Koch im Alter von 62 Jahren, der seine Gattin mit ledigen und verheirateten Kindern hinterließ. Denselben Tag segnete auch die Witwe des verstorbenen Anton Folk, namens Katharina, im Alter von 88 Jahren das Zeitliche. Am 9. März starb die Witwe des verstorbenen Gottlieb Leinz, Anna, im Alter von 76 Jahren, sie ist eine geborene Habrich. Der Herr gebe ihnen die ewige Ruhe.

Die Mitglieder der Bank und Kooperation hielten am 26. Februar eine Versammlung bezüglich Gründung einer neuen Bank ab, die es zu einem Resultat brachte, und am 15. März sollte eine zweite Versammlung stattfinden.

Der Sturm vom 2. und 3. März richtete sehr viel Schaden an. Unser Pastorat ist halb abgedeckt, und wird es viel Geld kosten, wieder neues Blech zu kaufen und dasselbe zu decken. Es war ein solcher Sturm, wie ich einen zweiten noch nicht erlebt habe.

Kürzlich haben unsere Mühlenbesitzer ihre Mühle an einen Juden Kain Sissmann für eine Million Lei verkauft, welche Summe er in zwei Jahren zu zahlen hat. Dabei haben die Herren eine bedeutende Summe Geld verspielt, denn der Notar kostet allein 1 ½ Millionen Lei, das Gebäude und Werk nicht gerechnet.

Korbinian Leinz und sein Sohn Eduard, die gestern nach Kischineff zum Doktor weggefahren sind, hatten das Unglück, von ihrem tollen Hund gebissen zu werden.

Die besten Grüße

Joseph Braun

dokumente/zeitungen/eureka/x-19310327-q1-paper.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher