Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 19. Juni 1931 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 19.Mai 1931

Geehrter Herr Red. Brendel!

Das Wetter ist schön, die Aussaat auch, nur vom letzten Regen bekam der Boden eine harte Kruste, deshalb wäre wieder Regen nötig, damit der Boden wieder locker wird.

Der frühe Winterweizen ist schlecht, dagegen der spätere gut. Raps wurde von schwarzen Käfern gefressen, deren es sehr viele gibt, daß man beinahe nicht mehr Meister wird. Dieselben bringen auch den Reben und dem Flachs Schaden.

Gestorben ist Peter Alwinger an Herzschlag, hinterließ Frau, zwei verheiratete Söhne hier, einen in Amerika, dem es zur Nachricht diene, und eine noch ledige Tochter hier. Der verheiratete Sohn in Amerika ist Bonkratius Alwinger, Portland, Oregon. Die Mutter ist jetzt in dop¬pelter Not, ist schon 68 Jahre alt. Peter Alwinger war einer meiner beiden Nachbaren; morgens, am 15. Mai, sah ich ihn noch ganz munter bei der Arbeit an seinem Amboß und nach 2 - 3 Stunden schon als Leiche, fast unglaublich. Den Hinterbliebenen mein innigstes Beileid.

Thomas Deichert möchte gerne Nachricht oder ein Lebenszeichen von seinem Bruder haben. Schon 4 Jahre nichts mehr bekommen von ihm. Er heißt Fidelis Deichert, soll in Mendham, Sask., oder Lomsford oder Krupp Sask., sein. Wenn er selbst nicht Leser ist, mögen Leser dieses Blattes ihn auf diese Zeilen aufmerksam machen. Thomas möchte gerne von seinem Bruder die Dak. Rundschau zugeschickt haben. Im voraus seinen besten Dank.

Alexander Paul fragt nach seiner Schwester, sie war an Anton Hilsendeger verheiratet, ist schon 28 Jahre in Amerika und hat noch kein Lebenszeichen von sich gegeben. Sie soll in Regina, Sask., sein. Vielleicht können Leser der Dakota Rundschau sie auf diese Zeilen aufmerksam machen. Max Paul bittet, jemand von seinen Freunden möge ihm doch die Dakota Rundschau zukommen lassen – würde sehr dankbar sein.

Thomasius Wagner teilt seinen Söhnen Gordian Wagner, Shields, N. D., Jakob Wagner, Strasburg, N. D., Raymund Wagner und Vinzenz Erker in Elarde, Sask., Can., mit, daß er überhaupt keine Briefe mehr von ihnen bekommt, und bitten sie, ihm zu schreiben. Er selbst schrieb schon mehrere Briefe, aber keine Antwort folgt darauf. Er ist schon 87 Jahre alt, kränklich - überhaupt in Not.

Herrn Ferdinand Kam, Rosefield, Sask., sei mitgeteilt, daß sein Bruder sich in Kraßna als Flüchtling nicht befindet, über andere Freunde um Auskunft kann er sich an mich wenden - mit Freude werde ich das tun. Die beste und sicherste Auskunft kann jeder durch die Dak. Rundschau bekommen, drum rate ich jedem, diese Zeitung zu lesen. In Amerika gibt es Zeitungen, die dazu helfen, die Leute in Rußland zu untergraben, und wer diese liest, der tut dasselbe. Wir kennen diese Zeitungen sehr gut - möchte keinen Namen nennen. Schon viel wurde darüber geschrieben, sogar viele Landsleute in Amerika schrieben uns hierher, man möge hier solchen Zeitungen nicht glauben und sie nicht lesen, wenn zur Verfügung eine Zeitung wie die D. R. steht.

Zum Schluß grüße ich die Redaktion und alle Leser hüben und drüben.

Joseph Braun