Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 4. Oktober 1929 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 7. September 1929

Werter Herr Redakteur!

Daß ich etwas lange auf meinen Bericht warten ließ, ist die viele Arbeit schuld. Wir waren bis über die Ohren beschäftigt, denn das Resultat der Ernte ist gut. Die Gerste gab im Durchschnitt 110 bis 120 Pud von der Deßjatine. Auch der Hafer und Sommerweizen war gut, aber es war zu wenig gesät. Raps gab nur 30 bis 40 Pud, daran der Schaden durch Raupenfraß die Schuld trägt, wie ich das schon früher mitteilte. Wein gibt es keinen. Nur Trauben zum Essen, denn die meisten Reben sind erfroren oder ausgetrocknet. Kartoffeln und andere Hackfrüchte werfen wenig ab, denn der Nachsommer war zu trocken.

Es wäre übrigens alles gut, nur die Preise sind schlecht. Für die Gerste zahlt man nur 50 Lei, wo wir im Frühjahr selbst 100 bis 110 Lei fürs Pud zahlten. Der Bauer ist gezwungen zu verkaufen, seine Schulden, die er durch die Mißernte machte, zu decken.

Letztens traf ich Raimund Ihli. der mich beauftragte und sagte: „Wenn du schreibst, so grüße die Redaktion der „Dakota Rundschau“ und auch meinen Schwager Magnus Steinke von mir. Keine größere Freude kann er seinem Freunde hier machen, als ihm dieses Blatt zuzusenden. Kommt der Sonntag herbei, so sitzen meine Kinder und lesen die „Dakota Rundschau“. Jedes will mir die interessanten Stückchen vorlesen. Danke von mir Herrn Brendel, weil in der Zeitung alles so gut zusammenpaßt und so leicht verständlich und leserlich ist. Es ist dies nicht der einzige Fall, wo man sich lobend über das Blatt ausgesprochen hätte, und daher möchte ich die Amerikaner u. Canadier darauf aufmerksam machen, der bestelle für ihn die „Dakota Rundschau“. Auch die Amerikaner aus Kraßna, die das Blatt im Falle nicht lesen sollten, fordere ich auf darauf zu abonnieren, wenn sie für ihre alte Heimat Kraßna noch Interesse haben.

Beschreibung des Dorfes Kraßna.

(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)

Heute wurde Marianna Ternes, Witwe des alten Michael Ternes, im Alter von 69 Jahren beerdigt. Ihr erster Mann war Peter Dirk, und sie war die Tochter des verstorbenen Mathias Haag. Die Frau war nicht mehr bei vollem Verstande; man hat sie auf der Eisenbahn mit abgerissenem Schädel tot aufgefunden, zwischen Kraßna und Beresina, auf letzterer Steppe. Wie die unglückliche Frau dorthin kam, weiß kein Mensch. Der Herr gebe ihr die ewige Ruhe.

Besten Gruß an die Leser hüben und drüben, wie auch an die Redaktion.

Joseph Braun