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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien
den 11. Juli 1929
Geehrter Herr Redakteur Brendel
Teile mit, daß am 3. Juli folgende Familien nach Kanada abgefahren sind: Ignatz Ihli, Markus Sohn, Gabriel Folk, Peter Sohn, Alexander Becker und Simon Koch. Die ersten vier Familien haben eine starke Kinderzahl. Die ältesten Söhne des Gabriel Folk und Markus Söhn mußten zurückbleiben, weil sie schon über 17 Jahre alt sind. Der kanadische, katholische Verband ist ins Werk getreten und hilft durch einen Kredit aus. An Herrn Alexius Riehl sind 10 Kreditscheine eingelaufen.
Weitere auswanderungslustige Familien sind noch folgende, die sich rüsten: Chrisostemus Fleckstein, Rochus Speicher, Joseph Wingenbach, Johannes Ruschanski, Mathias Kuntz, Erasmus Becker, Nikolaus Harsche, von den früheren sind Simon Söhn und Mathias Wuitschik, die nicht genug Geld zusammenbrachten, um auf eigene Kosten zu reisen, schlossen sich daher an, auf Kredit zu reisen. Es sind noch mehrere Familien, die aber vom Doktor noch nicht für gut geheißen sind.
Was die Ernte betrifft, so können wir, Gottlob, sagen, sie ist sehr gut. Gerste, Hafer und Raps sind über eine Arschin hoch und haben auch schöne Aehren. Gestern und heute sind schon viele zur Ernte gefahren. Wenn das Getreide gut eingeheimst wird und einen guten Preis bekommt, so wird es bald anders werden. Wir wollen das hoffen.
Das Wetter ist in den letzten Tagen kalt und trübe, so daß man nicht ohne Oberhemd ausgehen kann. Der liebe Gott möge uns Regen senden, den wir fürs Welschkorn und Kartoffeln nötig haben.
Auf der Totenliste stehen: Justine Harsche, Frau des Zachaeus, hinterließ ihren Mann und Kinder. Dies diene dem Bruder Basilius Harsche zur Nachricht, der unlängst nach Kanada ausgewandert ist.
In meinen Bericht vom 8. April hat sich ein Fehler eingeschlichen. Erwähnte Beamten bekommen 100 Lei pro Tag, je nach ihrer Arbeit.
Weiter hätte ich noch beizufügen, daß Herr Michael P. Menges mit Frau Marianna, geb. Leintz, am 5. Juli nach Brasilien abgereist sind, und denken, sich dort bei ihrem Schwager Philipp Soehn bei San Paul niederzulassen. Das Geld reichte ihm nicht aus nach Kanada, und da es nach Brasilien billiger kommt, so machte er dorthin.
Herr Daniel Ternes läßt fragen, ob sein Abonnement auf die Dakota Rundschau abgelaufen ist. (Ist abgelaufen und muß erneuert werden. Red.) Falls das der Fall ist, so bittet er seine Freunde in Amerika, daß sie ihm das Blatt aufs weitere erneuern, denn er möchte ohne dies Blatt nicht sein. Herr Ternes erzählte mir letztens, daß er so viel interessante Neuigkeiten aus aller Welt findet, die ihn geradezu begeistern. Es wurden vor einer Partie die Artikel laut vorgelesen, und da noch weitere Männer dazu kamen, so mußte wieder von vorne angefangen werden.
Zum Schluß besten Gruß an die Redaktion und an die Leser hüben und drüben.
Joseph M. Braun.
(Der Farmer wird Ihnen zugehen. Red.)