Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Januar 1930 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
vom 8. Dezember

Weiter Herr Redakteur Brendel!

In der Nacht auf den 7. Dezember wollten sich Diebe einen Weg durch das Dach in unseren Gemeindeladen verschaffen, da aber auch die Tür vom Dachboden aus gut verschlossen war, so konnten sie nicht in den Laden eindringen. Mag sein, daß sie von der Nachtwache an ihrem unsauberen Handwerk gestört wurden. Dasselbe passierte auch bei dem Wirt Remikus Wagner in der darauf folgenden Nacht. Man hat noch keinen festgenommen, doch hat man einige Personen in Verdacht.

Am 24. November ist Rosalia Schilkowsky, Frau des Heinrich plötzlich an Herzschlag gestorben. Am 30. November verstarb Paulina Deichert, Alexanders Frau und Tochter des Ignatz Becker. Weiter noch der 14 Jahre alte Sohn des Valentin Ternes, namens Basilius. Gott gebe ihnen die ewige Ruhe.

Nachträglich wünsche ich Herrn Brendel fröhliche Weihnachten und gratuliere zu seinem Geburtstage, der soviel ich mich erinnere im Dezember ist, nicht wahr? (27. Dez. 1929 51 Jahre. Danke und Gruß. J B.)

Ich grüße meinen Onkel Andreas Mathern in Seeland, N. D. und Geschwisterkinder Theres und Braun in Ipswich, S. D.. Mögen sich die Herren auch mal wieder brieflich oder in der Zeitung hören lassen. Mein Kamerad Basilius Harsche in For Valley, Sask., möchte ich bitten, daß er seine Reisebeschreibung in der Rundschau bringen möge. Es wäre für uns von großem Interesse darüber zu hören. Auch Herrn Magnus Steinke in Krupp. Sask. bitte ich, etwas von sich hören zu lassen. Euch unsere besten Grüße aus der alten Heimat.

Herr J. Ritz hier erhält regelmäßig die „Dakota Rundschau“, hat an mich den Jahresbetrag gezahlt, ist mit der Zeitung recht zufrieden, dankt auch für das ihm zugesandte Liederbuch und läßt seine Amerikafreunde grüßen. Anbei meine Karte für Sie, Herr Brendel. (Danke, erhalten. J. B.)

Wie die übrige Welt progressiert, so auch Kraßna. Zwei Radioapparate kamen ins Dorf, einer für die Schule, und den anderen kaufte Herr Johannes B. Herschaft für 12.000 Lei. Den Schulradio mußte man aber wieder zurückfahren, da er in Unordnung war. Auf Einladung des Herrn Herschaft werde ich auch mal hingehen und den Lautsprecher anhören, wenn man mal aus Bismarck etwas durch das Radio hören kann, das man verspricht noch fertig zu bringen, so wird die Sache noch interessanter werden. Ich denke mir aber, daß dies noch lange dauern könnte.

Wünsche der Redaktion, den Mitarbeitern und Lesern von hüben und drüben ein gesegnetes Neujahr.

Ihr Korrespondent
Joseph M. Braun.

(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)