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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 30. Dezember 1929
Geehrter Herr Redakteur Brendel
Die Backmulde kam mit nicht wenig Geräusch vom Boden aus die Treppe herunter und der Nikolaus und Valentin Plotzki, die recht gut geschlafen haben, sind natürlich dadurch gestört worden. Sie sprangen aus ihren Betten und hörten auch zugleich, daß vom Giebelfenster etwas herunterstürzte. Die Backmulde lag ganz unschuldig da, die bei der Sache sehr gute Dienste geleistet hatte, denn ohne sie wäre die Wurst und der Schinken vom Boden verschwunden, am Giebel aber blieb nichts zurück. Der Halunke nahm Reißaus, der sich in der Nacht auf den 24. Dezember auf Plotzkis Boden schlich. Alle Hunde in der Nachbarschaft hat man vergiftet. Wir haben unter uns vereinbart, der Dieberei ein Ende zu setzen, indem wir uns bei solchen Vorkommnissen gegenseitig aushelfen, um des oder der Täter habhaft zu werden. Wenn die Hunde jetzt auch keinen Lärm mehr machen, so sind die Backmulden da, die eine gute Alarmvorrichtung sind.
Auf der Totenliste stehen: Frau Georg Schreiber, Waleria, Tochter des verstorbenen Peter Ternes. In Sarata bekam die Frau eine Operation und wurde am 18. Dezember in Kraßna beerdigt. Am 24. Dezember starb Frau Pius Tischler, Gertrude, Tochter des verstorbenen Johannes Keller. Sie war die erste Frau des Christian Hein. Mögen sie ruhen in Frieden.
Herr und Frau Peter Alwinger lassen Herrn Raphael samt Frau Steinke freundlichst grüßen. Sie sind noch gesund und bitten, öfters etwas von ihren Verwandten und Freunden in Amerika zu hören zu bekommen. Auch bitten sie den Raphael, daß er ihnen die „Dakota Rundschau“ auf ein Jahr zukommen lasse, denn sie tun recht gerne lesen, dazu sie im Alter Zeit haben. Ich gehe jeden Tag durch ihren Hof und da kommen wir ins Gespräch. Der Raphael in Krupp, Sask. ist der Schwiegersohn zu Alwingers. Herr Magnus Steinke wird schon mithelfen als Bruder zu Raphael und wenn der eine oder andere nicht Leser sein sollt, so möge man sie auf diese Zeilen aufmerksam machen.
Herr Johannes Keller, Sohn von Johannes, fragt nach der Adresse seines Geschwisterkindes Valentin von Philipp Keller. Der soll irgendwo bei Strasburg, N. Dak. sein. Der Johannes bittet ihn, daß er ihm die „Dakota Rundschau“ bestellen möge, und falls er nicht Leser ist, so möge man ihn auf diese Zeilen aufmerksam machen.
Mir sind recht viele Krasnaer bekannt. die recht gerne die „Dakota Rundschau“ haben möchten und mich wiederholt baten, daß ich darüber etwas schreiben möge. Es ist aber unmöglich allen Bitte nachzukommen, und von hier aus zu bezahlen, kostet es viel mehr Geld. Wer also seinen Freunden hier eine große Freude machen will, der bestelle für sie die „Dakota Rundschau“, die immer sehr pünktlich hier eintrifft.
Den Lesern und der Redaktion übersende ich die besten Grüße und wünsche allen ein recht glückliches neues Jahr!
Josef Braun.
(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)