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dokumente:zeitungen:eureka:e-19130403-q2

Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 3. April 1913

Film 11463, Vol. 7, No. 36, Page 2

Petrofka, Bessarabien, Rußland
Februar 21. 1913

Vor allem will ich die Redaktion des Staats-Anzeiger benachrichtigen, daß ich wiederum das Blatt regelmäßig erhalte. Wer der Unhold war, der mir der Reihe nach einige Nummern des Blattes auf dem Wege zu mir entwendet hat, ist ein Räthsel. Anfänglich war dieser Zustand für mich beinahe unerträglich, da ich aber nach einigen Wochen das Blatt wieder regelmäßig erhielt, wurde mir klar, daß die Schuld nicht am Staats-Anzeiger liegen kann und somit wurde der Uebelstand vergessen. (Das Blatt geht hier regelmäßig u. pünktlich wie Uhrwerk ab und sollte deshalb auch mit derselben Präzision dort ankommen. -Red. Staats-Anzeiger.) Freilich ist der Staats-Anzeiger für jeden deutschen Leser reizend, weil er eben so viel Nachrichten aus aller Welt bringt. Deswegen aber hat noch Keiner das Recht, sich das Blatt anzueignen, das ihm nicht gehört. Besser wäre es doch für solch Einen, wenn er nicht im Stande ist, sich das Blatt um den kleinen Betrag selbst zu verschreiben, einen Leser zu bitten, es ihm zum Lesen zu überlassen, denn wenn er nur ab und zu eine Nummer stibitzt, ist er nicht im Stande, die zusammenhängenden Korrespondenzen zu lesen und der Besitzer des Blattes kann es dann ebensowenig und ist arg geschädigt.

Heute, als den 21. Februar, feiern wir in Rußland das 300jährige Jubiläum des kaiserlichen Hauses Romanow, und alles was lebt und schwebt, ruft dem erhabenen Hause seine Glückwünsche zu mit den Worten: „Es lebe das Kaiserliche Haus Romanow!“ Wie das Fest auf anderen Orten seinen Verlauf hatte, wird sich nachholen lassen.

Die Witterung war vom 10. bis 17. Februar ganz wie im Frühling. Am 17. aber begann der Winter wieder drei Tage lang sein Recht zu behaupten und wir hatten bis 10 Grad und noch mehr Frost. Vom 20. an wurde es wieder gelinder und schön.

Grüße herzlich meine Kinder in Morton County Nord-Dakota und es soll mich sehr freuen, öfters von ihnen zu hören, wie auch von allen meinen vielen anderen Freunden. Ferner Gruß an meinen alten Kollegen Anton Jochim nebst Frau und an Herrn Jakob Sommerfeld.

Achtungsvoll zeichnet

Romuald Dirk


Spezial-Korrespondenz.

Tarutino, Bessarabien, den 24. Februar.

Obschon wir nicht eingeschriebene Leser des Blattes sind, haben wir doch zuweilen Gelegenheit, den Staats-Anzeiger in die Hände zu bekommen, und dann wird derselbe mit Begierde durchstudirt.

Am 12. Februar stattete uns unser Vater in Tarutino einen gerngesehnen Besuch ab und übermittelte uns auch durch Nr. 28 des lieben Blattes den Gruß unserer lieben Schwester Amalia, Frau von Ignatz Groß in Morton County Nord-Dakota. Es freut uns, daß sie auch Leser des Blattes sind. Die Briefe der Schwester an uns haben wir erhalten und mit Freuden gelesen, wie auch die an die Eltern geschriebenen. Ich, deine Schwester Antonia danke der Schwester herzlich dafür, daß sie im Briefe versprach, mich dieses Jahr durch Zusendung einer Freikarte nach Amerika kommen zu lassen und wir wollen noch bemerken, daß dein Bruder Korbinien seiner Soldatenpflicht nun bald genügt hat. Soll uns alle freuen, öfters im Blatte von euch zu hören. Herzlichen Gruß an euch und auch an Schwester Eugenia und ihren Mann Eduard Richter, sowie an alle Leser dieses Blattes, von

Korbinian, Antonia u. Bertha Dirk.

dokumente/zeitungen/eureka/e-19130403-q2.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher