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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 30. Okt. 1930
Sehr geehrter Herr Redakteur Brendel!
Es hat bei uns wohl etwas geregnet, aber doch zu wenig, um Winteraussaat machen zu können. Gegen 14 Wirte haben ihre Felder bestellt, das Getreide ist schön, man sieht aber sehr gut, daß es an Feuchtigkeit mangelt.
Viele Heuschrecken sind bei uns jetzt zu sehen, die aber natürlich keinen Schaden mehr tun können, dafür sind sie aber für nächstes Jahr zu befürchten, und daher spricht man, wie solche zu vertilgen sind.
Zum Bund der Ehe haben sich schmieden lassen: Korbinian Engel, Sohn des Simon, mit Klara Müller, Tochter des Anton. Getraut am 15. Okt. und am 28. Okt.: Martin Kraus von Josef mit der Tochter des verstorbenen Heinrich Riehl, Margaretha. Adam Leinz Sohn, Kasper, mit Leogatia Haag, Maximilians Tochter. Den 22. Okt.: Otto Schreiber, Erasmus Sohn, mit Theresa Ternes, Hieronymus Tochter. Den vier Paaren Glück im Ehestand.
Diese Zeilen dienen Herrn Kasper Marte in Prelate, Sask., zur Nachricht. Deine Mutter, Kasper, nimmt öfters die Rundschau von mir und liest sie durch, daher solltest du auch mal von dort berichten. Die Mutterliebe rostet nie.
Wenn der Hund nichts zu tun hat, so fängt er nach seinem eigenen Schwanz, um seine Langeweile zu vertreiben. Und wenn die Burschen sonst keine nutzbringende Beschäftigung haben, so probieren sie gegenseitig ihre Stärke, wenn sie zusammenkommen. So war´s letzten Sonntagabend: die Burschen schlugen sich aus Spaß, aus dem ein Ernst wurde, und als Resultat mußte der Sohn des Herrn Joseph Gedak mit zerschlagenem Kopf ins Hospital gebracht werden. Den Burschen wird wohl solche Wollust vertrieben werden, daß Sie wohl bereuen.
Auf anderer Stelle hatte eine betrunkene Partie einen Mann und eine Frau bearbeitet, auf die man loszuschlagen begann. Andere Männer traten ins Mittel und den Burschen ging es nicht gut ab.
Herr Viktor Nagel läßt seine Neffen Michael und George Nagel in Shields, N. D., freundlich grüßen, teilt mit, daß sie noch alle gesund sind und ersucht um ein Lebenszeichen. Auch würde er freundlichst bitten und im voraus bestens danken, wenn sie ihm die Freude machen und ihm die Dakota Rundschau für ein Jahr zusenden würden.
Nach Brasilien rüsten sich auszuwandern: Witwe Margarethe Menges mit ihren zwei Schwiegersöhnen Maximilian, v. Joh. Dirk und Bernhard Leinz mit ihren Familien. Sie warten auf ihre Pässe, Näheres werde ist später darüber mitteilen,
Ich grüße Herrn Alex Dirk in Fox Valley, Sask., und ersuche ihn mitzuteilen, wie es meinen Freunden, Herrn und Frau Peter Harsche und Herrn und Frau Anton Soehn, geht. Wir befinden uns wohlauf und bitten, ein Lebenszeichen durch die Zeitung geben zu wollen.
Die Getreidepreise sind hier sehr schwach: für Gerste zahlt man 16 Lei; Welschkorn 29 und Weizen 40 Lei das Pud. Was aber der Bauer nötig hat, ist teuer. Heute hat das Wasser eine schwache Eisdecke, ein Zeichen, daß der Winter einkehren will. Die zwei Flüchtlinge, Schmalz und Vetsch, grüßen Herrn Brendel und ihre Freunde in Amerika und Kanada; sie sind gesund, und Vetsch freute sich des Berichtes halber in der Dakota Rundschau vom 3. Okt., dafür er bestens dankt.
Herr Oswald Wagner grüßt seinen Schwager Georg Harsche in Shields, N. D., und würde sich recht dankbar zeigen, wenn ihm einer seiner Amerikafreunde die Dakota Rundschau für ein Jahr zukommen lassen würde.
Der Redaktion und den Lesern hüben und drüben die besten Grüße.
Joseph Braun.