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dokumente:zeitungen:eureka:c-19110318-q2

Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 18. März 1911

Film 11463, Vol. 5, No. 43, Page 2

Emmenthal, Bessarabien April 3, 1911

Die Wintersaaten zeigen sich bei uns nicht nach Wunsch, obwohl wir jetzt schönes warmes Wetter hatten. Es zeigen sich Stellen auf dem Acker, die man wieder umpflügen muss, weil sich kein grünes Blättchen zeigt infolge grimmiger Kälte im Januar und auch im März.

Mit den Saatarbeiten geht es recht langsam vorwärts. Seit dem 22 März sind wir auf dem Acker, aber infolge häufiger Regengüsse konnte man nicht an der Arbeit bleiben, sodas wir jetzt kaum zur hälfte fertig sind.

Dies ist meine zweite Korrespondenz, obschon ich nicht weiss, ob die erste erschienen ist, denn bis jetzt ist sie mir noch nicht zu Augen gekommen. (Erschien in Nr. 37. Red.)

Am 28. März machten sich wieder einige unserer Emmenthaler auf die Reise nach Amerika, nämlich: Adolph und Dussentarius Wagner, Johannes und Joseph Hüttel, sowie Franz Miller, Kasper Dirk, Johannes Baumann, Thomas Haag und ledige Johannes Blotzky und Simon Haag aus Krasna. Ich wünsche allen glückliche Reise und guten Erfolg in der neuen Welt. Hier in Rußland munkelt man von bevorstehendem Krieg mit China, doch ist bestimmtes nicht zu erfahren.

In unserm Nachbardorfe Gangor wohnte ein 80 jähriger Greis einsam und alleine in einem kleinen Hause. Als eines Morgens die Leute die Thüre öffneten, weil sie den alten Mann nicht gesehen hatten, fanden sie ihn todt im Zimmer liegen. Bei der grimmigen Kälte hatte der Mann tüchtig eingeheizt und die Züge des Ofens zu zeitig geschlossen, sodass sich Gas entwickelte und der Ofen platzte. Der alte Mann ist wohl erstickt.

Gruss an Eltern und Geschwister und besonders an Bruder Joseph. Er sollte öfters im Blatte von sich hören lassen, wie ich auch es thue, denn man freut sich doch von Freunden und Bekannten zu hören.

Möchte willen, ob mein Freund Stephanus Wingenberg auch Leser des Blatte ist. Wenn nicht, sollte er das Blatt gleich bestellen und auch korrespondiren. Wir waren doch immer gute Kameraden und ich hätte gerne seine Adresse. (Da die Adresse unbekannt, können wir auch nicht sagen, ist der Herr Leser oder nicht. Vielleicht kann dieser oder jener Leser die Adresse an das Blatt berichten. Red.)

Alle Leser des Blattes grüssend, zeichnet achtungsvoll.

Zachäus Kopp von Martin

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