Deutsch
Film 11463, Vol. 6, No. 40, Page 3
Emmenthal, Bessarabien Februar 23. 1912
Vor ein paar Tagen habe ich meine Rechtfertigung und die Zurückweisung des persönlichen Angriffs, welchen Herr Michael Groß in Nummer 29. des Blattes auf mich machte, an den Staats-Anzeiger eingesandt, ob sie Aufnahme finden, bleibt abzuwarten (Ist bereits geschehen. -Red. Staats-Anzeiger.) Vieles habe ich im Laufe eines halben Jahres für den Staats-Anzeiger geschrieben, aber niemals ließ ich mich zu persönlichen Angriffen hinreißen, weil ich weiß daß solche von der Redaktion nicht bewillkommet und vielleicht in den Papierkorb geworfen werden. Ich habe aber bemerkt, daß die Redaktion auch manchmal eine Ausnahme macht. (Wir glauben bereits in voriger Nummer darüber genügend gesagt zu haben, und der geehrte Herr Einsender wird wohl nun zufrieden sein, und uns auch fernerhin mit Korrespondenzen beehren, die, wir gestehen es gerne, uns stets willkommen sind. Der Herr Korrespondent ist ein gewandter Schreiber und es geht ihm eben wie vielen solchen: er wird entweder gar nicht, oder gar mißverstanden. Also, Herr Dirk, schreiben Sie nur ruhig weiter. Wir werden darauf sehen, daß Sie in jeder Hinsicht gerechtfertigt werden. -Red. Staats-Anzeiger.)
Heute, den 23. Februar erhielt ich auch einen Brief von meinen Kindern Eduard und Eugenia Richter in Morton County, Nord-Dakota, worin sie mir berichten, daß sie auch den Staats-Anzeiger lesen, was mich sehr freut. Sie übersandten mir auch Michael Groß's unverschämten persönlichen Angriff auf meine Person. Ich will meinen Kindern aber mittheilen, daß ich dies schon gelesen hatte, lange ehe ich ihren Brief erhielt, und auch will ich bemerken, daß ich deshalb der Redaktion des Staats-Anzeiger nicht böse bin. Vielleicht hatte der Redakteur seinen guten Grund den Angriff anzunehmen. (Na, es freut uns daß Sie uns die Geschichte nicht nachtragen und so einsichtsvoll urtheilen. Wir hatten allerdings Gründe, Michael Großs Korrespondenz aufzunehmen, und wiesen den Herrn gleich in derselben gebührend in die Schanken, aber diese Gründe waren nicht pekuniaerer Natur, und es hat jetzt keinen Zweck, sie zu nennen aber sie waren berechtigt - soviel sei bemerkt -Red. Staats-Anzeiger.) Es freut mich daß soviel meiner Verwandten und Freunde den Staats-Anzeiger lesen, denn alle diese wissen, daß Groß's Angriff auf mich nicht gerechtfertigt ist und auf Lügen beruht. Das ist immerhin eine Genugthuung für mich.
Neulich starb in Emmenthal Herr Johannes Seifert. Er hinterließ eine Wittwe mit fünf Kindern.
Die Witterung ist warm bei bedecktem Himmel, sollte es sich bald aufklaren und Südwind geben, können die Bauern Ende des Monats mit der Aussaat beginnen.
Gruß an meine Kinder und an alle Freunde hüben und drüben, sowie auch an die Redaktion und an den Leserkreis.
Romuald Dirk.
Fortsetzung
Emmenthal (Bessarabien,) 6. März.
In Nummer 30 des Staats-Anzeiger las ich zu meiner Freude auch eine Korrespondenz meines lieben Freundes Philipp Seifert, welcher mich auffordert, immer mehr aus der alten Heimath zu berichten. Nun, ich denke ich habe das seither gethan und es geschah gerne. Ich hoffe, daß Herr Redakteur Brandt meine Rechtfertigung annimmt, und wenn so, werde ich wieder korrespondiren und mich nicht durch Ehrabschneider irre machen lassen.
In Nummer 30 schreibt wieder derselbe Korrespondent (es wird wohl kein anderer sein), der mich persönlich angriff, eine Geschichte über einen Mann, welcher in Emmenthal eine Wittwe geheirathet habe, welche eine Lafka besaß. Der Mann, der diese Wittwe vor sieben Jahren heirathete, ist Joseph Reiß, und der gefühllose Korrespondent, welcher die sandte, und über Joseph Reiß schrieb der ein braver und ehrbarer Mann ist, schämte sich nicht, anstatt einen eigenen Namen, den des Joseph Reiß unter die Korrespondenz zu setzen. (Das aber könnten wir unmöglich wissen denn der Name des Mannes welcher die Wittwe ehelichte, war nicht genannt und da Herr Joseph Reiß auch Leser des Blattes ist nahmen wir natürlich an, er habe die Korrespondenz geschrieben. Was anders konnten wir denken? Natürlich, ein Mensch, der Korrespondenzen einsendet, Angriff auf andere Leute macht, und dann den Namen eines andern Mannes unterzeichnet, statt seinen eigenen ist ein erzärmlicher Wicht. -Red. Staats-Anzeiger.) Es thut mir leid wegen Herren Reiß, daß die Korrespondenz erschien. (Jawohl, auch uns. -Red. Staats-Anzeiger)
Ich habe schon früher bemerkt: Wer keine Scham, hat auch keine Ehre.
Gruß allerseits von
Romuald Dirk.
Film 11463, Vol. 6, No. 40, Page 3
Krasna, Bessarabien März 26. 1912
Zuerst will ich berichten, daß ich seit dem 20. März mein Heim in Krasna aufgeschlagen habe und hoffe das meine Adresse bereits geändert wurde, und zugleich hoffe ich auch, daß diese Korrespondenz den Staats-Anzeiger in Bismarck völlig eingerichtet antrifft. (Nun, die Adressendenz kam uns allerdings hier in Bismarck zu Händen, aber völlig eingerichtet sind wir hier noch nicht. Das dürfte weitere zehn oder vierzehn Tage dauern. Natürlich sind aber alle Zuschriften zu adressiren: Der Staats-Anzeiger, Bismarck N. D. -Red. Staats-Anzeiger.)
Am Vorabend des hl. Osterfestes erhielt ich vom Kainarer Postamte Nr. 33 des Staats-Anzeiger und bin nun fest überzeugt, daß von meiner Korrespondenz bis zur Aenderung meiner Adresse kein Buchstabe verloren geht. Erfahrung macht klug und vorsichtig. Vergangenen Sommer pflegte es häufig vorzukommen daß von der Emmenthaler Korrespondenz Briefe und Zeitschriften verloren gingen und lange konnten wir der Sache nicht auf den Grund kommen und nicht ausfindig machen, wer der Heimtücker ist, der auf dem Postamte die Emmenthaler Post erhielt und nicht dem Adressaten ablieferte. Das Postamt ist ein neugegründetes und, da der Vorsteher desselben die Leute aus Emmenthal als Deutsche alle für ehrliche Leute hielt, so gab er die ankommenden Sachen für Emmenthal eben jedem Deutschem der die Emmenthaler Postsachen verlangte. Endlich aber stellte es sich heraus, daß viel von diesen Postsachen verloren ging. Auf dem Wege von Kainari nach Emmenthal fand man auch öfters Umschläge von Briefen und Zeitschriften und so wurde schließlich der Postvorsteher besorgt und erließ strengen Befehl, die Emmenthaler Post nur an mich selbst oder an den Herrn Lehrer zu verabfolgen. Seit dieser Zeit ist dem Uebel abgeholfen. Da wir aber doch neugierig waren, wer der Heimtücker war, wurden Nachforschungen angestellt, welche ergaben, daß es derselbe Mann war, der unter dem Namen Michael Groß Korrespondenzen an den Staats-Anzeiger einsandte. Natürlich verlor der Kerl bei seinem Vorgesetzten alle Autorität. Ich möchte die Redaktion des Staats-Anzeiger nun bitten, mir die Korrespondenzen im Originaltext zuzusenden. (Ist uns nicht möglich, denn die Korrespondenzen werden, wenn bearbeitet, sofort vernichtet. Wollten wir alle aufbewahren, müßten wir zu diesem Zwecke besonders ein großes Gebäude miethen. -Red. Staats-Anzeiger.) Ich muß sagen ich hatte schon Lust meine Thätigkeit als Korrespondent einzustellen. Jetzt aber hat sich der Horizont aufgehellt, ich sehe ein, daß der Staats-Anzeiger keine Schuld trägt. Dem Blatte scheint wieder die Sonne und Leser und Korrespondenten desselben werden sich wieder des Inhalts des Blattes freuen wie früher. Es ist doch gut, nicht gleich zu hitzig zu werden, denn ich hätte in diesem Falle dem Staats-Anzeiger schwer Unrecht gethan und hätte am Ende noch um Verzeihung bitten müssen bei Herrn Redakteur Brandt, von dem ich nun überzeugt bin, daß er in denkbar besten Glauben handelte. Brachte uns doch Nr. 33 des lieben Blattes die frohe Kunde, daß die Redaktion des Blattes bald in Bismarck wieder unter persönlicher Kontrolle des Herr F. L. Brandt stehen wird. Darauf hat gewiß schon jeder Leser und Korrespondent sehnlichst gewartet, denn Herrn Brandt's Name hat unter uns allen einen gar guten Klang und wirklich, merkte ich schon gleich in Nummer 33, daß ein ganz anderer Geist die Korrespondenzen durchweht. Jawohl, „der Alte“ ist wieder im Sattel, und: Gott sei Lob und Dank. (Der geehrte Herr Korrespondent zollt uns da freilich großes Lob und wir sind ihm dafür tief dankbar. Daß alle Leser und Korrespondenten sehr an uns hängen, ist ja auch eine große Ehre für uns. Es ist ein süßer Lohn für jahrelange gewissenhafte und schwere Arbeit und die Zukunft wird lehren, daß Sie ihr Vertrauen keinem Unwürdigen schenkten, wie ja auch die Vergangenheit laut genug für uns spricht. Wir sind eben auch nur ein Mensch, allen menschlichen Schwächen und Verirrungen unterworfen, aber stets und unter allen Umständen haben wir gethan, was wir für richtig hielten im Interesse unserer Leser, und das wird so bleiben so lange uns Gott vergönnt als Redakteur die Geschicke des Staats-Anzeiger zu lenken. -Red. Staats-Anzeiger.)
Die Osterfeiertage haben wir in Kraßna gebührend gefeiert mit unseren Gästen aus Arzis, nämlich Herrn Thomas Januschaitis mit Frau und Schwester. Auch meine Söhne aus Teplitz, Kardman und Daniel, und Sohn Zachäus aus Postthal waren und sind bis heute Abend bei uns zu Gaste. Heute, den 26., fahre ich die Teplitzer nach Hause und morgen die Postthaler. Herzlichen Gruß an meine lieben Kinder Eduard [Richter] und Ignatz [Groß] nebst ihren Frauen in Morton County Nord-Dakota, von uns und Geschwistern. Wie schön wäre es gewesen, wenn ihr hättet bei uns sein können. Auch habe ich die Nachricht erhalten, dass Du, Eduard und Eugenia, Leser des Blattes sind. Das freut mich herzlich. Hoffentlich werden auch Ignatz und Amalia bald dasselbe bestellen, wenn sie es noch nicht lesen. Von letzteren habe ich schon seit einem Jahre keine Nachricht bekommen und im Staats-Anzeiger findet man doch oft Berichte von Verwandten oder Bekannten. Gruß auch an meine Schwäger Georg Mastio und Jakob Marthaller. Möchte den Schwager Georg Mastio bitten, mir durch den Staats-Anzeiger seine genaue Adresse zu übermitteln. Hätte schon längst ihm unsere Photographie gesandt, aber bin mir der Adresse nicht sicher. (Adresse gaben wir schon einmal, thun es hier nochmals: Georg Mastio, R. R. 3, Wathena, Kansas, U. S. A. -Red. Staats-Anzeiger.)
Habe schon lange keine Korrespondenz meines alten Kollegen Anton Jochim im Staats-Anzeiger gelesen. Ich durchsuche immer das Blatt nach einem Bericht von ihm. Früher erschienen solche öfters aber in letzter Zeit suchte ich vergebens.
(Wir haben einige Berichte von Herrn Jochims Hand in Besitz. Sie werden erscheinen sobald wir im neuen Heim gänzlich eingerichtet. Dies gilt auch von anderen Korrespondenzen deren wir eine Menge an Hand haben. -Red. Staats-Anzeiger.)
In seiner letzten Korrespondenz zeigte mein alter Kollege an, daß er Stadtmann werden und in Harvey Nord-Dakota sein Heim aufschlagen wolle. Herzlichen Gruß an ihn und seine Gemahlin Barbara.
Auch Herrn Jakob Sommerfeld in Dowsunskoe Kaukasus möchte ich trösten und grüßen. Wenn der Staats-Anzeiger wieder unter persönliche Kontrolle des geehrten Herrn Redakteurs Brandt kommt, werden nicht so oft unsere für Marken verausgabten zehn Kopeken verloren gehen.
Zum Schluß noch Grüße an alle meine Freunde und Bekannten, an Redakteur F. L. Brandt und an alle Leser dieses Blattes.
Romuald Dirk.