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Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 11. Juli 1912

Film 11463, Vol. 6, No. 50, Page 2

Krasna, Bessarabien Mai 8. 1912

Danke bestens der werthen Einsenderin Frau Gottlieb Bertsch für die Korrespondenz in Nummer 39 des Blattes. Es freut mich sehr, wenn ich bemerke, daß aus dem Leserkreis einen oder den anderen Leser oder Leserin meine Korrespondenzen genügend interessiren, daß sie ihren Beifall finden, und daß sie sich über meine Berichte aussprechen, denn es kann ja vorkommen, daß man sich in eine Sache zu tief hineindenkt und auf Abwege geräth. Deshalb bin ich immer dankbar, wenn mich in solchen Fällen ein Leser oder eine Leserin wieder in's rechte Geleise bringt. (Soweit aber sind Ihre Korrespondenzen entschieden sehr gute und allgemein nützliche gewesen. -Red. Staats-Anzeiger.) So weit ich mich aber erinnere, und bei Nachschlag des Staats-Anzeiger finde, sind meine Aufsätze nicht solcher Natur wie sie die werthe Einsenderin in Nummer 39 einschätzt. Ich bemerke, die werthe Leserin ist der Meinung ich sei bestrebt, die Frauen ohne weiteren Grund herabzusetzen und die Männer zu verhimmeln. Dies aber ist keineswegs der Fall und eine unrichtige Auffassung meiner Berichte, denn ich spreche weder von einer bestimmten Frau, noch von einem bestimmten Manne, sondern einfach darüber, wie in der Regel eine Ehe aufgebaut sein sollte, soll in derselben Frieden und Eintracht wohnen. Ich hätte auch nie daran gedacht, derartige Abschnitte im Staats-Anzeiger zu bringen, wenn ich nicht fast täglich die Erfahrung machte, daß es zwei unscheinbare Dinge in der Welt giebt, nämlich des Menschen Glück oder Verderben, und deshalb machte ich mir das Vergnügen, dem Leserkreis etwas zu Unterhaltung und Belehrung zu bringen, etwas vom Ehestand, in welchem diese beiden Dinge -Glück oder Unglück- eine so große Rolle spielen, nämlich „Gehorsam und Ungehorsam.“ Ich habe zwar diese Dinge in meinen Aufsätzen nicht erwähnt, sondern nur zu erklären versucht welche Bewandtniß es mit diesen zwei Dingen im Ehestand hat. Darum auch vergleiche ich den Ehestand mit einer Maschine, denn wenn diesen zwei Punkten nicht Beachtung geschenkt wird, gleicht der Ehestand sicher einer Maschine, deren Bestandtheile nicht richtig functioniren. Es ist doch gewiß Jedem bekannt, daß beim Aufstellen einer Maschine gewisse Hauptpunkte berücksichtigt werden müssen, und daß nach diesen sich alles andere richten muß. Also wird doch gewiß auch jeder Leser mit mir übereinstimmen, daß bei Gründung einer Ehe zuerst die Hauptbedingungen in's Auge gefaßt werden müssen, deren eine „Gehorsam“ heißt, wie ja auch im Sakrament der hl. Ehe von Gott wohlweislich vorgesehen. Wie aber steht es damit bei uns Menschen? Statt Gehorsam herrscht oft Ungehorsam. Geehrte Einsenderin, Frau Bertsch, Sie bemerken in Ihrer Korrespondenz in Nummer 39, daß in Rußland, und in Europa überhaupt, viele Frauen von ihren Männern schlecht behandelt werden. Nun, darin will ich Ihnen nicht widersprechen, aber jedenfalls spielt der Ungehorsam dabei eine sehr wichtige Rolle. Ungehorsam hat das ganze Menschengeschlecht in Sünden gestürzt und unglücklich gemacht, warum also sollte er nicht imstande sein, einzelne Frauen unglücklich zu machen? Ferner bemerken Sie, daß Sie meine Frau bedauern, wenn ich eine solche habe. Na, gewiß habe ich eine Frau, und obendrein eine sehr gute. Wäre aber sie, und auch Sie werthe Einsenderin, dem Ungehorsam ergeben, dann müßte ich alle beide bedauern, daß der Ungehorsam sie beherrscht. Die geehrte Leserin weist dann weiter in ihrer Korrespondenz auf des Mannes Pflichten dem Weibe gegenüber hin und welche Achtung und Schätzung er dem Weibe schuldig ist. Da bin ich ganz derselben Meinung wie die Frau Einsenderin, aber ich behaupte daß nur dann alles den richtigen Gang geht, wenn das Weib seinen Pflichten nachkommt, wie ich sie in meinen Abhandlungen klargelegt habe. Gewiß hat auch der Mann Pflichten seiner Frau gegenüber, aber wenn diese die ihren nicht kennt, oder nicht beachtet, dann ist des Mannes Bestreben vergeblich. Die werthe Einsenderin mache ich auf die Anmerkung der Redaktion in ihrem Abschnitt aufmerksam, in welcher konstatirt wird, daß beide genau dieselben Pflichten haben, soweit das Glück der Ehe in Betracht kommt, und daß der Mann außerhalb des Hauses wirken und schaffen muß, wie unser unsterblicher Dichter Friedrich Schiller es so schön in seinem Liede von der Glocke sagt, und daß die Frau im Hause die Wirthschaft und das Regiment führen soll. Also muß auch in einer Ehe, soll sie glücklich und ersprießlich sein, alles Regel und Ordnung haben. Die Frau soll sich nicht in Angelegenheiten des Mannes mischen, von denen sie vielleicht nichts versteht, und umgekehrt. Zugegeben selbst, daß weiblicher Rath in einigen Fällen männlicher Geschäfte durchaus nicht zu verachten ist, so ist der Gesichtskreis der meisten Frauen in dieser Hinsicht doch beschränkt, und deshalb soll die Frau sich nur mit Vorsicht, wenn überhaupt einmischen. Das Weib, und das ist natürlich und wünschenswerth, hat herzlich Theilnahme zu bekunden an allem was das Wohl und Wehe des Mannes und der Familie anlangt, aber ein Weib, welches darauf dringt, alle Einzelheiten und Umstände zu erfahren, die gänzlich auf das Gebiet des Mannes gehören, handelt sicher mindestens unweise, wenn nicht thöricht. Anders natürlich liegen die Dinge, wenn der Mann sich ihren Rath erbittet. Dann freilich muß auch die Frau alles umständlich genau wissen. Aber, ich halte, daß dies nur Ausnahmen sind. Ein Mann fühlt sich naturgemäß erniedrigt, wenn die Frau den Mentor herauszukehren versucht, selbst wenn er vor lauter Liebe fast blind sein sollte. Doch, wir wollen für diesmal damit schließen.

Gerne würde ich auch über alle Vorkommisse in letzter Zeit berichten, bedauere aber, daß meine Zeit mir es gegenwärtig wirklich nicht erlaubt. Ich hätte ja noch so Vieles nachzuholen was, in der Reihe steht, auch von meinem früheren Wohnorte Emmenthal, muß dies aber auf ein andermal verschieben.

Danke bestens der Redaktion, daß alle meine Berichte Aufnahme fanden und werde bestrebt sein, auch fernerhin ab und zu Beiträge zu liefern. Seither machte die alte Maschine in Devils Lake leider recht viele Druckfehler; ich hoffe aber, daß die neue diesen Mißstand überwindet, und dann hoffe ich auch gleich weiter, daß die neue Maschine in Bismarck alle unpassenden Korrespondenzen, solche die lediglich persönliche Angriffe enthalten, ausmerzt.

Mit Gruß an den Leserkreis allerseits, Romuald Dirk.


Krasna (Bessarabien) den 18. Mai.

Heute erhielt ich Nummer 40 des Staats-Anzeiger. Als ich dieselbe entfaltete, fiel mir in's Auge, daß der Staats-Anzeiger bereits in Bismarck sein Heim aufgeschlagen hat, aber ich muß bedauern, daß meine Erwartungen von der neuen Maschine nicht in Erfüllung gingen. Also warten wir in Geduld etwas weiter, denn Geduld überwindet bekanntlich alles. (Hoffentlich ist der geehrte Herr Korrespondent nun besser zufrieden. Wir geben gerne zu, daß die ersten Nummern in Bismarck nicht so gut waren wie sie hätten sein sollen. So ein Umzug macht eben selbst die besten Berechnungen zu nichte. Aber jetzt ist die neue Maschine in vollem Zuge und wir denken, auch der geehrte Herr Korrespondent wird eine Wendung zum Besseren bemerkt haben. „Alles hat seine Zeit.“ -Red. Staats-Anzeiger.)

Vor einigen Wochen machten mir meine Freunde in Amerika, besonders mein alter Kollege Anton Jochim, und meine Schwager Jakob Marthaller und Georg Mastio, eine große Freunde mit ihren Korrespondenzen im Staats-Anzeiger, aber in letzter Zeit lassen sie wieder nichts von sich verlauten. Wachet auf, liebe Freunde, und nehmt die neue Maschine mit recht vielen Korrespondenzen in Anspruch, damit dieselbe recht viel Arbeit bekommt, und damit sich dem Blatte noch recht viele Leser anschließen.

Herzlich grüße ich alle meine Freunde in Amerika und Canada, auch den Leserkreis und die Redaktion.

Romuald Dirk

dokumente/zeitungen/eureka/d-19120711-q2.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher