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dokumente:zeitungen:eureka:f-19140514-q2

Auszug aus der „Staats-Anzeiger“ 14. Mai 1914

Film 3639, Vol. 8, No. 42, Page 2

Krasna, Bessarabien März 20. 1914

Der Redaktion will ich zuerst kund geben, daß ich den Lahrer Kalender richtig erhalten habe. Besten Dank!

Seit Mitte Februar haben wir herrliches Wetter und anfangs März waren die Bauern schon mit der Saat fertig. Die Witterung ist auch noch schön und die Winterfrucht zeigt sich ausgezeichnet. Am 11. und 12. März hatten wir große Gewitterregen, sodaß stellenweise über Ueberschwemmungen geklagt wird. Unsere Bauern sind guten Muthes und hoffen auf eine gesegnete Ernte.

Am 4. März brannte bei Joseph Volk und bei Phillip Hintz der hintere Hof. Alles Stroh und auch Brennmaterial wurden ein Raub der Flammen. Zu allem Glück stand der Wind vom Dorfe weg, sonst hätte sicher das Feuer viel größeren Schaden angerichtet, denn die meisten Männer waren nicht zu Hause, sondern auf dem Felde in der Saat, und die Frauen hätten gewiß wenig oder garnichts thun können das Umsichgreifen der Flammen zu hindern.

In Nummer 33 des Blattes las ich ein Bericht unterzeichnet E. Sch. In Marienthal. Augenscheinlich ist der Schreiber Emanuel Schnell. (In der That, so ist es. -Red. Staats-Anzeiger.) Er berichtet, daß ich seiner Frau Margaretha, geborene Bachmeier, Taufpathe bin. Das ist ganz richtig, aber da er seinen Staat nicht angab weiß ich freilich nicht, wo er wohnt. (Der Staat war aber angegeben, nämlich Saskatchewan in Canada. Adresse lautete also: Emanuel Schnell, Marienthal, Sask. Canada. -Red. Staats-Anzeiger.) Nun, ich habe mich herzlich gefreut, von ihm und Frau zu hören. Der Staats-Anzeiger ist doch eine herrliche Zeitung, denn er führt durch seine vielen Berichte und weltweite Verbreitung Leute zusammen, die sich seit schon 20 und mehr Jahren nicht gesehen noch gehört haben. Leute, die man längst todt wähnte, tauchen auf diese Weise im Staats-Anzeiger oft wieder unter den Lebenden auf.

(Die Geschichte von dem Schwaben, der das Leberlein gegessen hatte, erschien erst neulich im Blatte. -Red. Staats-Anzeiger.)

Meine Freunde in der neuen Welt, nämlich besonders Peter und Karl Schäfer, Thomas Ihli, Phil. Seifert nebst ihren Frauen sein herzlichst gegrüßt. Meine Zeitung ist bis zum 29. Juni 1914 abgelaufen, und ich bitte meine Freunde, das Blatt wieder für mich zu bestellen. Welcher derselben wird es thun? Hoffe, bald davon im Staats-Anzeiger zu lesen, denn ich möchte nicht, daß mein Name von den Listen gestrichen wird.

Gruß auch an alle anderen Bekannten und an alle Leser dieses Blattes in der alten und neuen Welt.

Valentin Herrschaft.

dokumente/zeitungen/eureka/f-19140514-q2.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher