Deutsch
Bismarck, Nord Dakota
vom 08.03.1929
Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien
den 20. Januar 1929
Werter Herr Redakteur!
Sie hätten die Geschichte ansehen sollen, als ich No. 27 und 28 der „Dakota Rundschau“ bekam. Als die Post ausgeteilt wurde, waren mehrere Männer dabei und jeder war neugierig über das Neue, was uns Ihre Zeitung aus Amerika bringen wird. Bei dem Öffnen der No. 27 traf ich gerade auf den Artikel von der neu gegründeten Organisation in Canada für katholische Einwanderer, und in No. 28 die Fragen aus dem Leserkreise. Jeder wollte diese No. haben. Natürlich gab ich sie auch, aber noch am selben Abend wurde mir die Zeitung wieder pünktlich eingehändigt. Am Abend trafen bei mir so viele Gäste ein, daß meine Stühle nicht ausreichten (habe zwar nur 3). Es waren neun Männer und drei Frauen.
Wie ich schon früher schrieb, will ich jetzt wieder erwähnen, daß viele auswandern wollen. Herr Alexius Rihl wurde beauftragt nach Canada zu schreiben, was er auch tat. Bekam bald darauf Antwort von Pater Kierdorf aus Canada. Derselbe Pater soll in der nächsten Zeit bei uns eintreffen, laut seinem Briefe aus Berlin vom 9. Januar um die Angelegenheit der Auswanderer zu besprechen. Wenn der Pater bei uns eintrifft, werde ich sogleich Mitteilung machen.
Über unsere Lage auch mal wieder etwas: Wir erhielten ein Telegramm von der Federale (Staats-Wirtschafts-Verband), einen Waggon Weizen in Empfang zu nehmen in Arzis. Das war am 14. Januar und am 29. bekamen wir wieder einen Waggon in allem 1100 Pud. Dies war nicht nur bei uns in Kraßna, sondern überall, wo Not ist. Saat ist uns auch versprochen worden. Kein Preis ist bis jetzt bekannt. Der Weizen soll die nächste Woche nur an die Brotlosen ausgeteilt werden. Somit gibt es bei uns nichts Neues, bloß unsere Rekruten benehmen sich nicht besonders - sie haben dem roten Bruder zu viel zugesagt und gerieten dadurch in Streit.
Während des Jahres 1928 starben 52 Personen – 21 Kinder, die übrigen waren ältere Personen.
Die Zahl der Geburten war im letzten Jahre 116.
Am 18. Januar war ein großes Schneegestöber, welches um 10 Uhr am 17. Januar begann und bis 9 Uhr abends am 18. anhielt. Schaden an den Häusern gab´s wieder, aber nicht so viele wie im November. Der jetzige Schaden ist gegen 50.000 Lei und im November waren es 113.000 Lei. Der Schnee liegt meistens auf Schanzen, zwar bis 1 Arschin hoch, im Durchschnitt aber liegt er 5 Zoll.
Möchte meine Freunde in Amerika erinnern, daß ich auch noch lebe, und daß sie auch an mich denken mögen.
Dem Herrn Redakteur sei hiermit noch mitgeteilt, daß ich nächstens eine Interessante und lehrreiche Geschichte über die Entstehung und geschichtlichen Hergang des Dorfes Kraßna berichten werde. Unsere Landsleute in Amerika werden sicher dafür großes Interesse zeigen und denke auch, daß alle Kraßnaer Leser des gediegenen Blattes sind.
Mit bestem Gruß,
Joseph Braun.