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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 30. März
Sehr geehrter Herr Redakteur Brendel!
Erfreulich ist, daß wir am 28. März einen durchweichenden Regen hatten, wodurch der Staub auf eine Zeit gelegt wurde. Mit der Aussaat ist man fertig, die dieses Jahr besser als voriges Jahr ging, da die Pferde in besserem Stand waren. Nächstens geht´s ans Bobschoi (Welschkorn). Viel Land wurde auch schon im Herbst geackert, so daß dadurch die Arbeit auch weniger wurde.
Am 26. März starb Peter Kahl (groß Kahl) im Alter von 88-89 Jahren.
Herr Adolf Furch von Kraßna bittet die Redaktion und die Leser der Dakota Rundschau, die mit der Lage des Pater Furch von Selz bekannt sind, ihm darüber freundlichst mitzuteilen. Wie früher Mitteilung gemacht wurde, war P. Furch im Odessaer Gefängnis untergebracht. Es fehlt jede Nachricht wo er sich befindet. Adolf und P. Furch sind Brüder.
Am 28. März sind wieder nach Brasilien abgereist: Kasper Weber mit Frau Amalie, geb. Paul, 6 ledige Kinder und eine verheiratete Tochter, Johanna, verh an Lukas des verst. Lukas Paul. - Anton J. Wingenbach und Frau Amalie, Tochter des Valentin Ternes mit 2 Kindern, - Es sind noch Familien hier, die noch nicht fertig zur Abreise sind.
Am 28. März fand die Generalversammlung der Mitglieder der Bank und der Kooperative statt. Herr Nikolaus Kelsch ist wieder im Geschäft geblieben, der 2 ½ Prozent vom Umsatz bekommt. Es war ein Fehlbetrag von 87,021 Lei an Ware, welche Summe er von seinem zukommenden Verdienst zu ersetzen hat.
In der Nacht auf den 28. 29. März erbrach wiederum ein Spitzbube die Tür der Kooperative, drang hinein und machte große Unordnung. Eine bestimmte Kontrolle wird herausfinden, was da fehlen wird.
Mit Gruß
Josef Braun
Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes.
„Jetzt die große Schule. Als Lehrer sind:
Oberlehrer Adelbert Gulewitsch und seine Frau, geb. Rechart und Lehrerin Lilie Lukas aus Tarutino, Ljuba Tüschtschinko ans Bolgrad. Die zwei Lehrerinnen sind ledig, wohnen bei der Schule und auch der Oberlehrer, ferner sind noch Lehrer: Eduard Ruscheinski, verbeiratet, Anselmus von Bernhard Leins und Aloisius von Simon Folk, sind noch ledig, und Michael Ziebert, verheiratet“.
(Die folgende Fortsetzung der Beschreibung des Dorfes habe ich aus den einzelnen Fortsetzungen gesondert zusammengefasst / Wingenbach Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 24. Mai 1929 - 30. Mai 1930)