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Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 15. Mai 1931 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien,
den 22. April

Geehrter Herr Redakteur Brendel!

Die Ostern sind bei uns gut, aber bei kaltem Wetter verlaufen. Welche Bauern sind mit der Aussaat schon fertig. Man klagt. daß die Arbeit sehr schwer ist, daß es sehr naß und kalt dabei war. Wir heizen die Oefen noch, haben viel Regen.

Am 13. April passierte ein großes Unglück vom Feld heim. Der Basilius Steiert fuhr auf seinem Wagen hinten nach und sein Sohn und seine Magd auf dem zweiten Wagen voraus. Auf dem Weg ging Nikolaus Harsche zu Fuß, den der Basilius auflud. Unterwegs, wo der Weg mehr roff war, fing die Drillmaschine, die am Wagen des Basilius angehängt war, zu klappern an. Die Pferde wurden dadurch scheu und sprangen auf den vorderen Wagen los, den sie auseinanderrissen. Der Sohn und die Magd wurden vom Wagen geschleudert, die Pferde nahmen Reißaus. Vom anderen Wagen kam Nikolaus Harsche unter die Drillmaschine und blieb tot auf der Stelle liegen. Den Basilius Steiert schleppten die Pferde eine Strecke fort, der jetzt mit großen Kopfwunden und Quetschungen im Bett liegt.

Ein weiteres Unglück passierte mit der Witwe des verstorbenen Eugenius Dreßler, Theresia, die am Fenster stand und Teig zu Knödel zurechtmachte. Gegenüber dem Fenster steht der Brunnen, wo der Nachbar gerade seine Pferde tränkte. Die Pferde schlugen sich, wobei ein Pferd die Scheiben am Fenster zertrümmerte. Ein Glassplitter flog der Witwe ins Auge, die man sofort nach Tarutino zum Arzt brachte, der aber dabei nicht helfen konnte und den Rat gab, nach Akkermann zu fahren, wo man wohl das ganze Auge herausnehmen muß.

Herrn Philipp Kahl in Shields, N. D., besten Dank für seine Berichte in der „Dakota Rundschau“. Diese gehen von Hand zu Hand in Kraßna, jeder möchte sie lesen, Max Kahl dankt bestens dem Vetter Philipp über die Auskunft seines Bruders Augustin. Es wurde bei uns schon öfters die Frage aufgeworfen, welche Krasnaer Leute sich wohl bei Shields befinden. Wäre der Vetter Philipp nicht so freundlich mal darüber einen kleinen Bericht in der „Dakota Rundschau“ zu bringen? Wir würden sehr dankbar sein.

Am 17. April regnete und schneite es in einem fort und das bei einem großen Sturm, so daß ein Lehmhaus nach dem anderen, wie auch die Keller, angefüllt mit Wasser, zusammenfällt, Die Maurer können also auf Arbeit rechnen.

Herr Johannes Bachmeier, Sohn des Georg, bittet seinen guten Jugendfreund Alexius Wingenbach in Brisbane, N. D., doch auch einige Lebenszeichen von sich zu geben, das der durch Berichte in der „Dakota Rundschau“, die hier viel gelesen wird, tun kann und läßt ihn freundlichst grüßen.

Am 19. April starb die Tochter des Witwers Gabriel Folk, namens Katharina, im Alter von 18 Jahren. Das Mädchen war die einzige Stütze in der Familie die zudem dem Vater durch ihre Krankheit noch recht viel Geld kostete. Der Herr gebe ihr die ewige Ruhe,

Ein seltener Fall kam hier vor, nämlich ein Mutterschaf von Max Haag brachte vier Lämmer, davon die Mutter zwei ernährt und die anderen zwei durch Kuhmilch ernährt werden. Täglich kommen Leute und sehen sich die Lämmchen an, die gut aussehen.

Heute den 22. April, haben wir schönes Wetter und das Vieh weidet draußen auf dem grünenden Rasen.

Der Redaktion und den Lesern hüben und drüben die besten Grüße.

Joseph Braun.

dokumente/zeitungen/eureka/x-19310515-q1-paper.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher