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dokumente:zeitungen:eureka:y-19320701-q1-paper

Auszug aus der „Dakota Rundschau“ 1. Juli 1932 · 📰

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Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland

Kraßna, Bessarabien.

Am 27. Mai hat sich bei uns ein Unglück zugetragen. Der 18jährige Sohn des Albertus Riehl fuhr mit seiner l3jährigen Schwester um die Lehmgrube, um Lehm zu holen. Auf ihrem Wagen befand sich auch noch das 18 Monate alte Kind des Reinhold Koch. Als der junge Riehl nun in der Grube aufzuladen begann, da brach die Wand ein und die Erde stürzte über dem Fuhrwerk zusammen. Der junge Riehl fiel mit dem Kopf auf die Achse des Wagens, dieser aber wurde in Stücke geschlagen, und der junge Mensch lag darunter. Die Pferde zerrissen das Geschirr und machten sich frei, ihnen ist nichts geschehen. Das kleine Kind lag unter dem Lehm, da aber das 13jährige Mädchen mit einigen leichten Verletzungen davongekommen war, konnte sie das Kind befreien, das schrecklich aussah und Quetschungen am Kopf aufwies. Den Bruder aber konnte sie nicht befreien; er rief um Hilfe, und es war ein Glück, daß noch andere Leute in der Grube waren, die sich nun mit aller Kraft daran machten, den jungen Riehl herauszugraben. Die Rettung gelang, aber der junge Mann war bewußtlos und mußte nach Hause geschafft werden. Auch das kleine Kind hatte die Besinnung verloren und war in das erste Haus gebracht worden. Der sofort aus Tarutino herbeigeholte Arzt nahm sich dann der Verwundeten nach Kräften an, aber man weiß noch nicht, was das Unglück für Folgen haben wird.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai regnete es bei uns etwas, es war aber mehr Hagel als Regen, so daß man dachte, es kämen alle Fensterscheiben herein. Aber das Getreide auf dem Felde steht schön, so wohl die Winter- als auch die Sommersaat. Wenn der liebe Gott will, kann es eine gute Ernte geben. Und wenn wir dann auch noch einen guten Preis bekommen, dann werden die traurigen Gesichter wieder froh werden. Gegenwärtig wird für die Gerste 33 und für den Mais 21 Lei pro Pud bezahlt. Eier kosten 70 Lei das Hundert.

Übrigens erinnern mich die Eier an einen Vorfall, der sich vor einigen Wochen hier abgespielt hat. Kommt da wie gewöhnlich ein Eierkerl ins Dorf und eine Frau verkauft ihm 40 Eier. Der Mann bezahlte 65 Lei für das Hundert und die Frau hätte 26 Lei erhalten müssen. Sie bekam aber nur 22 Lei und so oft sie auch nachzählte, es blieben 22 Lei. Das wollte sie sich nicht gefallen lassen; sie verlangte die fehlenden 4 Lei und als der Händler sie ihr nicht zahlen wollte, machte sie Miene, ihm den ganzen Inhalt seines Wagens zu zerschlagen. Das hatte der Mann nicht erwartet.

„Mutter“, schrie er in seiner Angst, „nicht schlagen! Ich zahl hundert Lei, aber nicht in die Eier schlagen“. Er gab ihr die betreffenden 4 Lei und die Frau ging ihrer Wege.

Zum Schluß will ich noch erwähnen, daß am 10. Mai bei uns Mission war, und daß am 11. Mai unser Pfarrer Bernhard Leibham sein dreißigjähriges Priesterjubiläum feierte, worüber ich demnächst in einem besonderen kurzen Aufsatz berichten werde.

Für heute grüße ich alle Leser hüben und drüben!

Joseph Braun

dokumente/zeitungen/eureka/y-19320701-q1-paper.txt · Zuletzt geändert: von Otto Riehl Publisher