Deutsch
Aus Landsmännischen Kreisen
Prelate, Sask.,
den 21. Nov
Der Winter scheint bei uns festen Fuß gefaßt zu haben. Den 6. Nov. fiel Schnee, ist aber wieder verschwunden und den 16. fiel wieder bis 6 Zoll, der schon liegen bleiben wird, denn das Thermometer zeigt 8 Grad Kälte, daraus zu schließen ist, daß wir einen langen Winter haben werden.
Die Frau des Joseph Kintz starb den 22. Juni und hinterließ 17 Kinder, davon 2 verheiratet sind. Die Familie stammt aus Rosental in der Krim.
Die Frau des Pius Sehn, die vor zwei Jahren aus Rumänien mit ihrer Familie kam, war für 6 Tage im Hospital.
Rom. Groß hatte das Unglück, bei seiner Arbeit am Brunnen einen doppelten Rippenbruch zu bekommen und mußte daher 4 Tage ins Hospital, das seiner Mutter in Kraßna zur Nachricht diene.
Verheiratet haben sich hier der Sohn des Martin Haff mit der Tochter Frank Kisling, beide aus Rußland. Der Sohn von Finzens Filenstein, mit der Tochter des Joseph Fehnrich, beide stammen aus Kraßna.
Nach der Pause zu urteilen, muß mein alter Nachbar F. Wanner am Weintrinken sein, denn dort im Westen ist er noch billiger als in Kraßna, wie Herr Braun berichtet.
Beiden herzlichen Gruß.
Anbei Scheck auf $ 4,75 von Joe Rietz, Prelate, Sask., $ 2: John Rietz, Krupp, Sask., als neuer Leser, $ 2; Alo Finger, Prelate, Sask., 50c für die Welt und 25c für hinkender Botekalender.
Eingesandt von Kasper Marte.
Interessante Berichte aus der alten Heimat Rußland
Kraßna, Bessarabien,
den 30. Okt
Sehr geehrter Herr Redakt. Brendel!
Den 28. Sept. und 2. Okt. hatten wir Frost, dadurch das Gemüse in den Gärten Schaden litt, weshalb solches auch jetzt sehr billig verkauft wird.
Am 27. Sept. starb der kinderlose und vermögende Georg Schreiber im Alter von 53 Jahren. Er besaß 115 Hektar Land und dazu eine schöne Wirtschaft. Er hinterließ seine Witwe, die ihren Ausbehalt bekam, und das Vermögen wurde unter die Verwandten verteilt.
Am 10. Okt. starb Frau Peter Bachmeier von 39 Jahren (Russe), Tochter des Philipp Hein. Sie hinterließ ihren Gatten mit 6 Kindern.
Am 11. Okt. segnete der 80jährige Witwer Gottfried Bukulowsky, das Zeitliche und denselben Tag noch Filizia Koch, Tochter des verst. Sigismund, im Alter von 29 Jahren; sie war nicht ledig und seit 8 Jahren krank.
Heinrich Schilkovski, auch ein alter Mann, 73 Jahre alt, Witwer, starb den 7. Okt. Seine Kinder sind alle versorgt und er hat viele Verwandte in Amerika. Gott gebe ihnen die ewige Ruhe.
Getraut wurden: Eugenius Ganzky, Edmunds Sohn, mit Katharina Spitznagel, Joachims Tochter, am 6. Okt.: Elias Panschenko, Gabriels Sohn, mit Anastasia Paul, Josephs Tochter am 20. Okt.: Peter Marte, Sohn des verst. Albert, mit Elisabeta Ternes, Markus Tochter, am 28. Okt.
Allen recht viel Glück.
Beim Anspannen seiner Pferde wurde Johannes Folk so stark von einem Pferde geschlagen, daß man an seinem Aufkommen zweifelt.
Auf dem Hochwege arbeitet eine Partie Deutsche und eine Partie Russen, letztere nächtigen auch draußen. Timotheus Fenrich kamen Schafe weg. Der Verdacht fiel auf die Arbeiter. Der Oberschulz machte eine Untersuchung. Die russischen Arbeiter gaben an, daß sie davon nichts wissen, sie stehlen keine Schafe. Der Oberschulz wandte sich an einen verdächtigen Deutsche aus Kraßna, sprach mit ihm, natürlich, deutsch. Der Deutsche machte bei seiner Erklärung, daß er auch von nichts wisse, verschiedene Handbewegungen. Ein Russe sieht das, meint für sich, daß man die ganze Schuld auf ihn schiebe und gestand:
„Herr Oberschulz, sagte er, dieser Deutsche hat mitgeholfen die Schafe zu stehlen, und wir haben solche unter uns verteilt“. Die Diebe mußten 500 Lei zahlen.
Ein Freund sandte mir eine Ausgabe der D. F. P. (Sallets Zeitung) zu, worin ich meinen Bericht fand, den ich der Dakota Rundschau schickte und dort vorher gebracht war. Wie kommt das? Auch teilt mir mein Freund brieflich mit, daß er schon mehrere Artikel in der D. F. P. fand. Ich berichte nur an die Rundschau und meine damit nicht, daß auch andere Zeitungen daraus Gebrauch machen dürfen. Warum gestatten Sie so was, Herr Brendel? (Wir haben dazu keine Erlaubnis gegeben. Wird nicht ausdrücklich verboten nachzudrucken, so hat eine andere Zeitung das Recht von anderen Zeitungen zu entnehmen. Aus der D. R. entnehmen mehrere Zeitungen, dagegen wir aber nur dann protestieren, wenn die Quelle, woraus entnommen, nicht klar widergegeben ist. Red.)
Der Handel geht bei uns sehr schlecht, das daraus zu schließen ist, daß ich manche Tage nach amerikanischem Geld nur 13c verdiene. Mein Verdienst hängt nämlich von dem Einkommen in der Kooperative ab, wie ich schon früher mitteilte. Dagegen ist halt jetzt nichts zu machen, und man muß sich zufrieden geben, daß man nur lebt.
Zwei kleine Buben zuendeten der Witwe Katharina Habrich am 25. Okt. zwei Strohhaufen an. Das Feuer brannte 2 Tage. Das Unglück ist nicht so groß, wäre aber nicht gleich Hilfe gekommen, so hätte es schlimm werden können.
Mit der Welschkornernte sind die Bauern fertig. Das Ergebnis war 100 Pud von der Deßjatine. Die Getreidepreise haben sich gebessert: Gerste 33; Flachs 60; Hafer 32; Korn in Kolben 10, Raps 45 und Hedrich 28 Lei für ein Pud.
Gruß der Redaktion und den Lesern hüben und drüben.
Joseph Braun.