Deutsch
Emmenthal, Bessarabien, Rußland
October 9. 1911
Eine geraume Zeit ist vergangen seit meiner letzten Korrespondenz. Ich hatte schon oft großen Appetit zum Schreiben, aber die Zeit erlaubte es nicht; denn im Sommer ist gar viel Arbeit und die Abende sind kurz. Nun jetzt geht es besser und werde fleißig schreiben und den Winter durch fortsetzen, so daß meine Verwandten und Freunde in Amerika auch etwas von hier erfahren, wenn der Papierkorb nicht dazwischen tritt, denn mein letztes Schreiben vom 27. Mai ist nicht in der Zeitung erschienen und weiß ich nicht, ist es nicht am Bestimmungsorte angelangt oder nicht. In der Hoffnung, daß dieses Schreiben angenommen wird, schreibe ich jetzt weiter.
Das Wetter ist bei uns jetzt kalt. Anfangs Oktober hatten wir drei Tage Frost, so daß die Fensterscheiben zugefroren waren, und der Bobschoi, der diesen Herbst noch sehr grün war, stark unter dem Frost gelitten hat. Ich hatte den meinigen aber schon zu Hause.
Die Ernte war bei uns dieses Jahr eine mittlere und die Preise waren zum Glück gute. Pferde und Rindvieh sind so theuer wie noch nie zuvor.
Am 6. Oktober verließ Michael Moldenhauer das Zeitliche. Möge er ruhen in Frieden. Möge die Trauernachricht seinem Sohne Johannes in Amerika bald in Ohren kommen.
Ich habe meinem Bruder Joseph geschrieben, daß er die Zeitung auch für unsern Schwager Melchoir bestellen soll: wahrscheinlich hat er den Brief nicht erhalten.
Ich sende hiermit schönen Gruß an meine alte Mutter und Geschwister und wünsche ihnen viel Glück in der neuen Heimath. Sie möchten doch auch im Blatte von sich hören lassen.
Zaschäus [sic] Kopp, (von Martin.)