Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


ebook:herkunft:g-00-03-30

5.3.3 Evangelische Familien aus Krasna siedeln 1824/1825 nach Katzbach um

Die russische Regierung siedelte im Grundsatz in jeder Kolonie nur Angehörige der gleichen Konfession an. In Krasna waren zunächst aber auch evangelische Kolonisten mit eingewandert und angesiedelt worden. Warum dies geschah, ist dem Autor nicht im einzelnen bekannt.
Denkbar ist, dass es nicht genügend katholische Bewerber gegeben hat, um die vorhandenen Hofstellen zu besetzen. Schließlich war im ganzen Bessarabien Krasna die einzige katholische Mutterkolonie.
(Die meisten Auswanderer zwischen 1770 und 1806 nach Polen in österreichische oder preußische Gebiete suchten sich ihr Ziel nicht zuletzt auch nach der im Zielgebiet herrschenden Religion der Herrschenden aus: Preußen= protestantisch, Österreich= katholisch. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die meisten katholischen Auswanderer nach Bessarabien wohl aus dem Raum Zamość kommen, der als einzige Region Österreichs dem Herzogtum Warschau zugeschlagen worden war.)

1825 zogen 19 evangelisch-lutherische Familien aus Krasna in das neu gegründete und überwiegend von Protestanten bewohnte Katzbach um. Dies geschah wohl im Einvernehmen mit den katholischen Krasnaern. Hauptgrund waren die unterschiedlichen Feiertage, was zu gewissen Spannungen geführt hatte. Aber auch die Ansiedlungsbehörde hatte auf eine Trennung in konfessioneller Hinsicht gedrängt.

Die katholischen Familien halfen bei dem Umzug; die auf die Wirtschaften (Höfe) der Wegziehenden entfallende Landmenge wurde auf die neue Gemeinde übertragen1). Die neuen Katzbacher sollen sich, so berichtet Wagner2), zusammen in einer Straße angesiedelt haben, welche deshalb von den Einwohnern Katzbachs die „katholische“ genannt wurde. Eduard Ruscheinsky schreibt in seiner Chronik der Gemeinde Krasna3): „….sie siedelten sich am unteren Ende Katzbachs an“. Nach den offiziellen Dokumenten der beteiligten Behörden (s. unten) siedelten diese Familien in Katzbach im Anschluss an die bereits bestehenden Gehöfte an der Straße in Richtung Frere Champenoise I (Alt-Elft).

Auszug aus der Akte Odessa-6-1-1683
Resettlement of the Evangelical Colonists From Krasna to Katzbach, 1825
Submitted by Ted J. Becker, With Input From Dale Wahl, Ralph Ruff, Duane Janke, and Marty McMahon,Translated from the Russian by Sergey Karamanov I

(aus dem Englischen von mir übersetzt) Antrag der lutherischen und katholischen Kolonisten der Kolonie Krasna vom 27. Juli 1824

„FALL„

Zwischen den lutherischen und katholischen Kolonisten der Kolonie Krasna geschlossen.

Wir Kolonisten beider Glaubensbekenntnisse sind in der Kolonie zusammen angesiedelt. Bislang haben wir in zivilrechtlichen Angelegenheiten nie Meinungsverschiedenheiten gehabt. Aufgrund unserer unterschiedlichen Glaubensbekenntnisse haben wir jedoch oft Auseinandersetzungen über freie Praktiken religiöser Bedürfnisse. Um dies zu vermeiden, haben wir uns entschlossen, mit Erlaubnis der Behörden folgende Trennung vorzunehmen:

  1. Wir, die unterzeichnenden 19 lutherischen Familien, beabsichtigen, uns in der Kolonie Katzbach niederzulassen, unter der Bedingung, dass wir pro Familie 60 Dessjatnen des Landes aus dem Krasna-Gebiet erhalten, das an die Kolonie Katzbach grenzt. Wir beabsichtigen auch, unsere Häuser umzusetzen, indem wir sie in der Kolonie Krasna niederreißen, angefangen von der Seite, die der Kolonie Fereshampenoazk (Fere Champenoise) zugewandt ist.
  2. Wir verpflichten uns, alle Staatsschulden, die wir haben, zu begleichen und keine weiteren Privilegien zu verlangen. Wir werden unsere Schulden bezahlen, wann immer die Behörden dies verlangen. Wir garantieren das einer für alle und alle für einen.
  3. Wir, die unterzeichnenden katholischen Kolonisten, stimmen mit den unter uns lebenden lutherischen Kolonisten überein, die aus unserer Kolonie ausziehen und ihre Häuser gemäß den zwischen uns vereinbarten Bedingungen mit ihnen umsetzen wollen. Wir verpflichten uns 18 Familien, die seit langem die lutherische Religion praktizieren, Geld in Höhe von 15 Levs, 3.000 ungebrannte Ziegelsteine für jede Familie und 212 Wagenladungen zum Transport ihrer Haushaltsgegenstände und Steine zu geben. Soweit es sich um die Familie von Johann Grabowski handelt, die zuerst die katholische Religion praktizierte und dann zur lutherischen Religion konvertierte, können sie in unserer Kolonie bleiben. Ansonsten geben wir ihnen nichts. Diese Bedingungen werden von uns freiwillig übernommen und wir verpflichten uns, diese rechtzeitig zu erfüllen. Wir garantieren das einer für alle und alle für einen. Dies wird von unseren Dorfältesten und Abgeordneten bestätigt.

Das Amtssiegel am 27. Juli 1824 in der Kolonie Krasna angebracht.

Von den lutherischen Kolonisten handschriftlich signiert:

  1. Christian Zitsel (Sisle).
  2. Karl Munke (Menke / Meinke).
  3. Berngard Vagner (Bernhard Wagner).

Im Auftrag der Katholiken:
Bürgermeister Frank.
Sekretär Karl Fein (Hein).
Stellvertreter: Lauterbach, Peter Gart (Hart), Christov Tsihart (Christoph Ziebart), Josef Vingenbach (Wingenbach), Anton Fenrikh (Fenrich), Jakob Bogolovski, Jakob Grams (Krams), Michael Mulbradt (Milbrat), …Gaucher (2).


Von den lutherischen Kolonisten von Krasna und im Auftrag der katholischen Kolonisten von den Dorfvorstehern und den dafür gewählten Abgeordneten zusammengestellt und unterzeichnet. vom Ersten Büro mit Hand und Siegel am 8. August 1824 in der Kolonie Maly Yaroslavetsk (Malojaroslawetz) beglaubigt.
(Unterschrift)“

Antrag der Gemeinde Krasna und zugehörige Dokumente der Kolonistenverwaltung sind erhalten nebst den Folgedokumenten (Odessa Staate Archive Fond 6, Inventory 1, File 1683).

1)
in der Übersichtsskize der Landstücke ist dieser von Krasna abgetrennte Teil gestrichelt dargestellt.
2)
Wagner, Immanuel. Zur Geschichte der Deutschen in Bessarabien. Stuttgart,: Heimatmuseum der Deutschen aus Bessarabien, 1958
3)
Ruscheinsky, Eduard; Chronik der Gemeinde Krasna, erschienen im Bauernkalender, Jahrbuch der Deutschen in Bessarabien / Kultur- und Presseamt des Deutschen Volksrates für Bessarabien 1939, S. 164-172
ebook/herkunft/g-00-03-30.txt · Zuletzt geändert: 2019/10/20 12:36 von Otto Riehl Herausgeber